Sonntag, 14. Februar 2016

"Papa-Hose"


Als wir kürzlich auf das Thema "upcyceln" zu sprechen kamen und ich bekennen musste, darin nicht gerade die begabteste zu sein mangels Vorstellungskraft und Umsetzungswillen, meinte der Schwiegersohn, ich könne ja mal mit seiner eben verabschiedeten Hose experimentieren, ich könne sie gerne "downcyceln". Was wohl bedeuten sollte: mach - wenn du magst - eine Hose für den Kleinen draus.


Da fühlte ich mich schon etwas herausgefordert. Zumal der Auftrag ein relativ klarer war und es auch nicht viel zu experimentieren gab. Sicherer Boden unter dem Nähfüßchen.


Nach dem genaueren Inspizieren mussten wir beide allerdings einräumen, dass das Ding eigentlich nur noch für die Tonne taugt. Die Hose war definitiv abgenudelt. Und zwar an den unmöglichsten Stellen. Aber ein Versuch sollte es wert sein und die unteren Beinteile schienen einigermaßen in Ordnung.


Zunächst überlegte ich mir, welche Hose ich den für den kleinen Mann nähen wollte und entschied mich für unseren Standardschnitt von Ottobre. Diesen änderte ich nun in der Länge, im Schritt und in der Weite der Beine. In der Länge weil ich dieses mal nicht mit Bündchen abschließen wollte sondern den Hosensaum nutzen. Und im Schritt weil der Stoff an dieser Stelle nicht reichte, die vorgesehenen Hosenbeine waren zu schmal. Ich würde ein keilähnliches Stück einsetzen müssen. Die Weite der Beine musste reguliert werden, da ja die Bündchen an den Knöcheln entfallen sollten.


Dann schnitt ich die alte Hose an der Beininnennaht auseinander, legte meinen Schnitt so auf, dass Beinabschluss und Seitennahtlinie stimmten und stellte fest, dass selbst im Kniebereich - der späteren rückwärtigen Mitte, dort wo Po und Windel sitzen - der Stoff hauchdünn war, zum Zeitungdurchlesen. Einige Teile hingen tatsächlich nur noch am sprichwörtlichen seidenen Faden.


Ich entnahm daraufhin einen der vorderen Taschenbeutel und doppelte die Schwachstellen. Mit Vliesofix und gezielten Nähten schienen mir die Teile stabil genug um ein Windelpaket zu halten.


Aber, aber, aber - wie sah das jetzt von außen aus!
Nach längerem Überlegen, Herumexperimentieren und dem Vorsatz, das Ding immer noch nicht zu entsorgen, entschloss ich mich, die rückwärtigen Taschen der Originalhose abzutrennen und auf der kleinen Hose zu verwenden. Damit das einigermaßen ordentlich gelingen konnte mit der Rundung der rückwärtigen Naht, habe ich die Einzelteile erstmal getrennt versäubert, dann zusammen genäht, die Naht auseinander gebügelt und hatte so eine schöne Linie, an der entlang ich meine beiden Taschen aufzunähen gedachte.


Um ganz sicher zu gehen, dass die Mitte die Mitte bleibt, nähte ich die beiden Taschen zunächst separat aneinander und dann erst auf die Hose. Sie reichen leicht schräg über die Seitennaht etwas ins Vorderteil hinein, das sieht raffiniert aus.



Der Rest war dann ein Klacks. Zwei Aufnäher habe ich noch abgetrennt und neu plaziert, einer oberhalb der rechten Tasche und einen am Saum. Dann wie gehabt noch das Bündchen dran und fertig war die "Downcycling"-Hose.


Es war letztlich vergnüglich die Hose zu nähen und zu versuchen irgendwie mit den Reststücken der alten Hose doch noch was brauchbares zu Wege zu bringen - aber in der Zeit, die ich für ausprobieren, verwerfen, abtrennen und was weiß ich noch alles brauchte, hätte ich mindestens zwei neue Hosen aus gekauftem Stoff genäht, eher drei. Das wären dann allerdings Hosen ohne Geschichte - auch gut. Diese aber ist mit.


zu guter Letzt:

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