Mittwoch, 12. November 2014

eine kleine Mauergeschichte

Uns schreckte die Mauer. Und unsere Phantasie beschäftigte die "eingesperrten Menschen". Wir wussten wenig von der DDR. Wir waren Kinder. Kinder mit einem Onkel in Berlin. Genau genommen mit dem Lieblingsonkel in Berlin. Er war der, der uns zuhörte, uns ernst nahm, uns Geschenke machte, wann immer möglich seine Zeit mit uns teilte. Er war der große Zauberer unserer Kindheit. Und er lebte in Berlin, dieser begrenzten, eingemauerten Stadt.
Wenn wir ihn besuchten, mussten wir uns über die Transitstrecke der DDR quälen. Die Alternativen hießen Bahn oder Flug ab Frankfurt. Die 800 Kilometer von meinem beschaulichen Schwarzwaldstädtchen in die damalige ehemalige Hauptstadt waren mit dem Auto weder so bequem noch so schnell zu fahren wie wir das heute kennen. Die Autos Marke 60er Jahre waren noch meilenweit entfernt von den heutigen Luxuslinern, mit denen wir über eine schön ausgebaute Autobahn dahin rollen. Aber das nur nebenbei.
Den Schrecken der Mauer erlebte ich immer dann, wenn wir uns dem Grenzübergang in Hof näherten. Wachtürme waren zu sehen, Zäune in breiten Grünstreifen mit Stacheldraht. Auf mich als Kind "platt vom Land" wirkte diese Kulisse albtraumartig. Wir wurden angehalten auf der Rückbank "ganz brav" zu sein, keinen Lärm zu veranstalten, die Erwachsenen befürchteten wohl unnötigerweise ins Visier der bewaffneten Zollbeamten und Grenzsoldaten zu geraten.
Die Transitautobahn durfte man nur mit gültigem Reisepass benutzen, wir Kinder waren in dem unseres Vaters eingetragen. Man bekam einen Schein, wohl eine Art Passierschein, in dem mutmaßlich Name und Anzahl der Reisenden eingetragen war, wahrscheinlich auch die Autonummer, so genau weiß ich das nicht. Wohl aber, dass es diesen Schein gab und dass beim Verlassen des DDR-Hoheitsgebietes nicht mehr oder weniger Reisende im Auto sitzen durften, als auf dem Schein angegeben.
Auf der Heimreise eines Berlinbesuches Ende der 60er Jahre meldete mein Vater also uns drei "brave" Kinder an und bekam seinen Passierschein. Das ging nicht ganz so schnell, wie hier geschrieben, denn erstmal wurde das Auto ausführlich bekuckt, dann musste der Kofferraum geöffnet werden, es gab Blicke in die Reisetaschen, es gab ausführliche Blicke auf uns Kinder auf der Rückbank, der Reisepass musste abgebeben werden und verschwand für längere Zeit im Innern eines Zollhauses. Heute weiß ich, dass das mit System so betrieben wurde, zur Verunsicherung der Durchreisenden. Was durchaus funktionierte, denn damals empfand ich diese Verunsicherung und letztlich Angst von den Männern mit Gewehren sehr stark.
Als mein Vater seinen Passierschein zurückbekam, wurde er angewiesen, weiter zu fahren. Er steckte die wichtigen Unterlagen ein, ohne nochmals einen Blick darauf zu werfen. Das hätte er zu diesem Zeitpunkt lieber tun sollen, aber er vertraute wohl der Bürokratie oder wollte nicht unangenehm auffallen. So machten wir uns auf die Reise Richtung Heimat.
Am Ende der Transitstrecke dann das entgegengesetzte Prozedere, wieder Pass abgeben, dieses mal mit gültigem Passierschein. Alles musste seine Ordnung haben. Nur unsere Papiere hatten sie nicht! Mein Vater hatte sich offiziell mit zwei Kindern auf die Durchreise begeben und nun drei im Auto. Die Grenzer hatten einfach ein Kind übersehen, nicht hingehört oder nicht nachgezählt. Das war peinlich für die Grenzer, die offenbar nicht auf drei zählen konnten und  ärgerlich für  meinen Vater, der der Bürokratie vertraute und die Papiere nicht kontrolliert hatte. Uns Kindern gegenüber beides jedenfalls unverantwortlich. Wir saßen im Auto, durften es nicht verlassen, nicht das Fenster öffnen und warteten. Derweil umkreistenn uns immer wieder Grenzsoldaten, die mit ihren Gewehren mehr als bedrohlich wirkten. Wir fühlten uns hilflos, unbeschützt. Wir waren Kinder, neun, sieben und fünf Jahre alt.
zu guter Letzt:

Auf die in meinem Blog verlinkten Seiten habe ich keinerlei Einfluss - weder auf deren Gestaltung noch auf die Inhalte. Für den Inhalt der von mir verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Dies ist eine private Website, ich untersage jegliche Weitergabe meiner persönlichen Daten. Von mir eingestellte Bilder dürfen erst nach Rücksprache ausschließlich für private Zwecke verwendet werden.