Samstag, 4. Januar 2014

Nähen ist die beste Medizin - ein Jahresrückblick

Ende letzten Jahres erkrankte ich für mein bisher gleichmäßig-gesundes Leben relativ heftig. Was ich seitdem "meine seltsame Krankheit" nenne, übertrug sich ins neue Jahr. Anfangs verschlimmerte sie sich, so dass ich zeitweise nur noch mühsam gehen konnte, im Stehen stolperte, gelegentlich stürtzte und weder stricken noch nähen konnte, was für mein Seelenleben sehr wichtig, vielleicht auch ablenkend gewesen wäre. In der dunkelsten Zeit legte ich mein Blogleben lahm. Das Leben war ein schweres geworden; Kochen, staubsaugen, Wäsche versorgen - riesige Berge der Anstrengung und in meiner Vorstellung zu köstlich, wenn ich all das, was mir bis dahin lästig erschien, nur wieder erledigen könnte. Nie wieder würde ich mich beklagen über diesen Alltagskram. Wer sollte die Wiese mähen, wer den Gemüsegarten bewirtschaften, wer bei Umbau und Renovieren helfen? Ich sah ein Schreckensjahr auf mich zurollen und wurde immer weniger umgänglich.
Vom Hausarzt wurde ich zum Spezialisten geschickt, der sich nicht einigen konnte, welche Krankheit das nun sei und mir drei zur Auswahl bot: die erste, nach den ersten ausführlichen Bluttests, die zweite bei einem folgenden Telefonat, die dritte bei der Diagnose auf der Rechnung. Was es auch war in seinen Augen, er sah nur eine Möglichkeit der Therapie: Abklären der möglichen Ursachen (die er aber selbst alle bereits ausgeschlossen hatte) in einer Spezialklinik und das Verabreichen eines medizinischen Keulenschlags. Von krebserregend bis zum wahrscheinlichen Haarausfall war in der langen Liste der Nebenwirkungen alles inbegriffen. 14tägige Leberwertkontrollen der begleitende Normalfall. Zwei Jahre mindestens sollte diese Behandlung dauern, bis eine allmähliche Gesundung sich einstellen könnte.
Ich verweigerte mich, brach die Behandlung ab und suchte nach Alternativen. Kein leichter Schritt, vielen gutgemeinten Ratschlägen zum Trotz den eigenen zu Weg gehen.
Heute geht es mir vergleichsweise gut. Es ist noch nicht ganz wie vorher, ein minimales Krankheitsbild erinnert mich gelegentlich, dass ich noch auf dem Weg zur vollen Gesundung bin. Jeder Tag bestätigt mir aber mich richtig entschieden zu haben.
Bereits im Februar konnte ich ganz langsam wieder anfangen zu nähen. Ein einfaches Kleid. Die Nähfortschritte waren zentimeterweise, Nähen  im Minutentakt, gerade so wie es die gesundheitliche Verfassung zuließ, manchmal war ich nach dem Stecken zweier Nadeln schon am Ende meiner Möglichkeiten. Mehr ging nicht. Aber Nadel um Nadel, Stich für Stich wurde das Kleid fertig. Es dauerte einen ganzen Monat bis ich es tragen konnte:




Früher, als mich mitunter heftige Kopfschmerzen plagten,  halfen mir keine Tabletten sondern nur exzessives nähen oder ein mehrgängiges Menü kochen. Irgendwann war's dann nur noch kochen und wiederum irgendwann war ich mit den Kopfschmerzen durch und brauchte beides nicht mehr.
Diese positive Wechselwirkung veranlasste mich jahrelang zu behaupten, nähen sei die beste Medizin für mich.
Heute weiß ich, die beste Medizin für mich war die Ahnung wieder nähen zu können. Optimistisch bleiben und nicht die Hoffnung aufgeben.

Gesammelte Rückblicke aller Art gibt es diese Woche auf dem MMM-Blog.
Vielen Dank.

Kommentare:

  1. Alles Gute und Stabile Gesundheit für 2014 wünsche ich dir.
    Mema

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  2. Anonym4.1.14

    Liebe Friederike,
    danke für den offenen Einblick! Ich kann das ein Stück weit gut nachfühlen aber zum Glück bin ich auch auf dem Weg der Gesundung. Ich hoffe mit der nächsten OP ist alles paletti. Was mir in dieser Zeit geholfen hat ist - genau wie bei dir auch - sich festhalten an liebgewonnenen "Hobbys" auch wenn das von Zeit zu Zeit wirklich mehr als schwer fiel!
    Liebe Friederike, ich wünsche dir ganz ganz viel Gesundheit - denn das ist und bleibt das Allerwichtigste!
    Liebe Grüße
    Beate

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  3. ...ich weiß gar nicht, warum ich Anonym erscheine....ich bin's Beate von Sunday Roses ;o))

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  4. Liebe Friederike,
    wie gut kann ich mich da einfühlen,habe Ähnliches vor einiger Zeit hinter mich gebracht! Für mich ist Sticken die beste Medizin!
    Alles Gute und einen Sack voll Gesundheit,verbunden mit herzlichen Grüßen ,Ulla

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  5. Ich wünsche dir alles Gute fürs neue Jahr!!!
    Ich habe vor einiger Zeit meinen Mann durch eine schwere Krankheit begleitet und wir sind froh, dass es ihm, bis auf ein paar Nachwirkungen, wieder gut geht.
    Ich grüße dich herzlich
    Katrin

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  6. " Nadel um Nadel , Stich für Stich " hat mir beim Lesen Gänsehaut gemacht - toll , dass Du Dich da durchgekämpft hast ! Ich wünsche Dir für 2014 vor allem Gesundheit , aber auch die glücklich machende Portion Nähen ! Das Kleid nach einem meiner Lieblingsschnitte steht Dir sehr gut !
    LG Dodo

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  7. Ich kann mich Dodos Worten nur anschließen. Und halte Nähen auch für eine gute Medizin. Bei mir ist es eher diese Variante: http://blog.pattern-vault.com/2011/11/10/

    Ich wünsche dir weiterhin eine sich bessernde Gesundheit und viel Zeit und Muße zum Nähen!
    LG frifris

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  8. Mir geht es im Augenblick genau gleich. Ich kann kaum einen cm meine Beine heben und die Schmerzen sind gewaltig. Meine Hände sind offen und Nähen, Stricken etc. muss warten. Der Wille man will wieder nähen, stricken, sticken etc. hilft dass es jeden Tag wieder ein bisschen besser wird und man Rückschläge halt hinnehmen muss. Ich wünsche dir ganz ganz gute Besserung. Claudia

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  9. Ich drück dir ganz feste die Daumen,dass alles wieder gut wird
    GLG
    Elke

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  10. Liebe Friederike,
    danke für deinen Bericht.
    Mich hat auch besonders dieser Satz berührt, dass du dich Nadel für Nadel, Stich für Stich vorangekämpft hast. Nadeln haben ja durchaus etwas verletzendes und doch bist du vorangegangen. Wie gut, dass du dich richtig entschieden hast! Wie gut, dass es der richtige Weg war! Da gehörte auch eine große Portion Mut dazu!
    Das Kleid ist sehr schön geworden und hat noch dazu eine ganz besondere Bedeutung für dich(wenn ich den Schnitt richtig erkenne, habe ich dieses Kleid auch genäht und kann es leider nicht tragen, da es gar nicht sitzt). Ich wünsche dir für das neue Jahr weitere Genesung und viele Möglichkeiten die wohltuende Wirkung des Nähens und Kochens zu erfahren.
    LG von
    Claudia

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  11. Dagmar5.1.14

    Liebe Friederike,
    auch ich wünsche Dir für 2014 vor allem eins: Genesung !
    Außerdem Zuversicht, Kraft und weitere Bestätigung, dass dieser Weg der richtige war.

    Dein Kleid ist sehr schön geworden und steht Dir ausgesprochen gut.

    Liebe Grüße aus dem Schwarzwald ins Badische
    Dagmar

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  12. Du bist auf deinem selbst gewählten Weg der Heilung schon weit gekommen und wirst in diesem Jahr sicherlich die Hütte erreichen und ein jubelndes Bergfest feiern dürfen. Das zumindest wünsche ich dir innigst.

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  13. Liebe Friederike,

    gut, dass Du nicht aufgegeben, sondern Deinen Weg gefunden hast. Für das noch junge 2914 wünsche ich Dir vor allem Gesundheit.

    Liebe Grüße
    Gabi

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  14. Wie schön, dass Du Deinen Weg gegangen bist und schon so weit darauf gehen konntest. Ich stimme Dir 100% zu dass ein Hobby viel dazu beitragen kann, das Leben gut zu leben und schwierige Phasen zu meistern. Zum Glück habe ich keine gesundheitlichen Probleme, aber ein manchen Wochen des letzten Jahres habe ich des nachts richtiggehend gegen den Berufsstress gegenangenäht. Das hat mir viel gegeben und war meine Medizin.
    Von ganzem Herzen wünsche ich Dir ein gesundes Jahr 2014!
    LG Kuestensocke

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  15. Ganz großen Respekt vor deinem Mut, den sicher schwerer Weg zu gehen
    und sich auf sich selbst zu besinnen und deinem Gefühl zu vertrauen!

    Ich wünsche dir von ganzen Herzen alles Gute!
    Ein glückliches, neues Jahr und immer Nähgarn im Haus
    ♥liche Grüße, Gabi


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  16. Anonym11.1.14

    Liebe Friederike,
    Deinen "Jahresrückblick" habe ich aufmerksam gelesen. Ich kann Dir nur sagen, höre auf Dich, auf Deinen Körper. Manchmal ist das die einzige Medizin; und, ganz wichtig ist, dass Du Deine Ziele, Deine Wünsche nicht aus den Augen verlierst. Ich habe da meine Erfahrungen machen müssen. Bis vor ein paar Jahren bin ich noch an Krücken gelaufen - 12 Jahre waren es. Wir dachten, irgendwann sitze ich im Rollstuhl, was ich aber nicht wollte. Oft habe ich meinen Mann bewundert, der mich klaglos "aushielt", der immer wieder da war, um mir Mut zu machen, der mich daran erinnerte, dass wir noch jung sind, Ziele haben. Er erinnerte mich daran, dass ich immer Motorrad fahren wollte. Das war mein Ziel, das wollte ich können. Und, ich habe es geschafft. Gaaanz langsam habe ich mich zurück in mein Leben getastet, habe immer und immer wieder meine Übungen gemacht, die mir meine Physiotherapeutin immer und immer wieder zeigte. Oft war ich nach den ersten 2 Minuten so kaputt, dass ich mich hinlegen musste. Ich war noch nicht einmal mehr in der Lage, eine Tüte Milch alleine einzukaufen. Aber, ich habe es geschafft!!! Meine Krücken sind auf dem Speicher, ich habe vor 5 Jahren meinen Motorradführerschein gemacht und, das größte war: 2011 haben mein Mann und ich unsere Hochzeitsreise nachgeholt. Wir sind jeder auf einer gemieteten Harley, durch die Rocky Mountains gefahren!! Selbst unsere Kinder haben nicht geglaubt, dass ich das schaffe! Aber ich habe es geschafft und ich weiß, dass ich ganz viel schaffen kann.
    Ich hoffe, ich kann Dir damit Mut machen. Du hast schon so viel geschafft, da wirst Du auch weiter Deine Erkrankung im Griff haben. Also weiter so!
    Liebe Grüße
    Epilele
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