Mittwoch, 17. Juli 2013

Eine Woche voller Rügen

die Leuchttürme von Arkona

In Arkona bewunderten wir nicht nur die drei Leuchttürme sondern spazierten auch bis zum nördlichsten Punkt der Insel. Den Rückweg zum Parkplatz beschlossen wir über das kleine (museale) Fischerdörfchen Vitt zu nehmen, das uns mehrfach empfohlen war und sich als malerischer winzigkleiner Ort mit reetgedeckten Fischerhäuschen erwies (und voll mit Touristen, um ehrlich zu sein!). Auf dem Weg dahin beschauten wir uns die achteckige Kapelle, die - wie auch der kleinere der Leuchttürme von Arkona - nach Vorlagen von Karl Friedrich Schinkel gebaut wurde.





 

Hiddensee

Einen Tag Hiddensee hatten wir fest eingeplant. Es sollte ein Tag werden inmitten der Touristenströme, die wir bisher ja erfolgreich umgangen waren: ein riesiger Parkplatz mit Platzanweisung empfing uns in Schaprode, dann eine brechend volle Fähre - eigentlich hätte uns das schon Warnung genug sein sollen. Wir schipperten bis nach Kloster im Norden der Insel - ein Großteil der Mitreisenden war schon an der ersten Anlegestelle in Vitte ausgestiegen.
Hiddensee ist für den Autoverkehr gesperrt. Man kann die Insel zu Fuß erwandern, sich ein Rad ausleihen oder mit der Pferdekutsche eine Rundfahrt machen. Wir beschlossen zu Fuß zu gehen. Ruhig. Entspannt.



Es war dann allerdings weder ruhig noch entspannt. Auf dem Weg zum Leuchtturm mussten wir wilden Radlern ausweichen, offensichtlich unsicheren Gelegenheitsfahrern, die lieber zur Seite springende Wanderer in Kauf nahmen, als abzusteigen um das Rad zu schieben. Die Leihgebühr muss sich ja auch bezahlt machen!  Und offenbar lässt sich nur mit hektisch erscheinendem Hin- und Hergeradle von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten die Insel erfassen! Alles was in Reiseführern jemals geschrieben stand, muss mitgenommen werden. Hinweisschilder - kein Radweg - galten vielen wie nicht geschrieben. Abgesperrte Wege ebenfalls.
Aber auch über die Wanderer lässt sich manches klagen: Renaturierungsanlagen müssen übertrampelt werden, weil man ja nur so das optimale Foto vom Leuchtturm machen kann (nämlich das im Reiseführer abgebildete mit der krummen Kiefer davor). Bodenbrüter? Egal! Eigene Ideen für ein Foto? Zu viel verlangt. Manche Dame haben wir beim Blumenpflücken ertappt, da hilft auch das Verstecken der seltenen Pflanzen in mitgebrachten Tüten nichts - ein no-goe in einem Naturschutzgebiet.
Wohin hatte ich mich da verirrt?
Da Massenströme gerne auf ausgetretenen Pfaden wandeln, schlugen wir den beschwerlicheren ein und stiegen auf Treppenstufen hinab zum Meer, wanderten der Küste entlang am tosenden Ufer mit brüllendem Wind, heftigstem Wellengang - aber auf weichem Sand - der Sonne ausgeliefert. Mühsam war der Weg nach Kloster zurück, und dabei wollten wir doch noch bis Vitte um von dort die Fähre zurückzunehmen.

Entschleunigen heißt auf neudeutsch das, wofür wir uns letztlich entscheiden: wir bleiben am Ort, trinken einen Kaffee, essen Sanddorntorte, lassen uns von der Sonne bescheinen, beschauen uns ausführlich die Umgebung - z. B. das Gerhart-Hauptmann-Haus -, sitzen am Strand, bewundern die schönen Vorgärten mit der reichen Blumenpracht, kaufen eine Bersteinkette.


Hiddensee war schön - die Beobachtung der touristischen Menschenmasse mit oftmals nicht angepasstem Verhalten an ein Naturschutzgebiet für mich immer wieder irritierend. Dabei ist es doch ganz einfach: wir sind Gäste und haben uns als solche zu benehmen.


Proradies - der (Alp)Traum von Urlaub

 

Wir waren gewarnt - die Meinungen zum KdF-Bad in Prora gingen auseinander. Bruder und Schwägerin sagten: unbedingt ansehen! MeineTante meinte, die Anlage sei ja wohl wegen Hässlichkeit geschlossen, wir sollten gar nicht erst hingehen, es lohne sich nicht. Weit gefehlt. Es lohnte sich - aber anders als alles bisher Gesehene war es schon.

Dieses Bild zeigt einen winzigen Bruchteil der gigantischen Anlage. Um die Dimensionen allein von diesem Teilstück erfassen zu können, habe ich mich ans "Proradies" gestellt. Jedes Fenster bedeutet ein Zweibettzimmer:



Das Seebad spiegelt den Größenwahn der NS-Zeit. 20.000 Urlauber aus dem gesamten Reich sollten hier für jeweils eine Woche gleichzeitig untergebracht werden, der Urlaub - Kraft durch Freude - so effektiv sein wie er sonst nur in drei bis vier Wochen sein kann. Zweibettzimmer mit Seeblick, die Anlage in ihrer Gesamtdimension 4,5 km lang, ein "kleines Dorf", autark. Und mit Hintergedanken: das Bad musste so konzipiert sein, dass es in Kriegszeiten als Lazarett dienen konnte.
Es wurde nie fertig gebaut, nie als Seebad benutzt.  Kein Arbeiter, kein Soldat hat hier während der Nazizeit je Urlaub machen können. Erbaut zur Ruine.





Grund der Massen-Unterbringung war die Unterstellung, der einfache Arbeiter fühle sich in den herkömmlichen Seebädern nicht wohl, wolle lieber unter seinesgleichen bleiben. In meinem Augen eine fette Lüge, reine Propaganda und sofort der Umkehrschluss in meinen Gedanken: die Nazibonzen wollten wohl lieber ohne den Anblick des "gemeinen Volkes" die traumschönen Bäder der Insel genießen.
Es lohnt sich, mit viel Zeit die Anlage zu erkunden und dabei unbedingt auch das Dokumentationszentrum zu besuchen. Hier wird die Geschichte des KdF-Bades aufbereitet, angefangen von ersten Entwürfen der Architektenwettbewerbe bis hin zur späteren Nutzung in der DDR durch die NVA und Überlegungen zur heutigen Nutzung. Gut gelungen in diesem Betonkasten: die Jugendherberge.
Die gesamte Anlage steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Kilometerweit ein wunderschöner Ostseestrand, der von der Bevölkerung als Badestrand benutzt wird. Wir machten einen Strandspaziergang. Viele unserer mitgebrachten Muscheln stammen von hier.




letzte Wanderungen im Jasmund

Und dann war plötzlich der letzte Tag des Rügen-Urlaubs. Den nutzten wir, um nochmals durch die "heimischen" Wälder zu streifen, frische Luft und Bewegung - wir würden wohl lange genug noch im Auto sitzen müssen. So gab es denn einen Vormittagspaziergang und einen Abendspaziergang bis tief in die Nacht. Der Abschied fiel mir schwer, ich hatte die Buchenwälder und Kreidefelsen doch sehr lieb gewonnen.




Leipzig und ein schöner Schlusspunkt 

Wir fuhren wie auch auf dem Hinweg in Etappen. Zwei Tage Leipzig war unser Ziel. Hier besuchten wir unsere Freunde.
Am Anfang der Reise, als klar war wir würden in Berlin Station machen, haderte ich ein wenig, dass ich für Berlin nicht die Zeit finden konnte, um 1. über den türkischen Markt am Maybachufer zu  bummeln (und nach Stoff Ausschau zu halten) und  2.eine Pause in meinem Lieblingskaffee einzuplanen.
Nun entpuppte sich Leipzig als Glücksgriff. Die Idee, von dort aus gemeinsam mit den Freunden einen Ausflug nach Berlin zu machen rundete diesen Urlaub ab. Denn sie kannten weder den Maybachufermarkt noch mein Lieblingscafé.
Klar haben wir gekauft: Mango, Aprikosen, Brotaufstriche, Oliven, Knoblauch, Gewürze, Fladenbrot, Lederbendelchen - und Stoff. Einziger Wermutstropfen: den Stand mit der Vlieseline gibt es offenbar nicht mehr. Hab' ihn jetzt schon zum zweitenmal nicht gefunden. Trotzdem war es ein wunderschöner Tag. Denn Teil 2 klappte auch noch: Bei Frau Barcomi regenerierten wir uns mit Kaffee und lecker Kuchen.

Fotos: alle Rechte bei Magdalena Schaaf.
Noch mehr Rügen-Bilder gibt es in den nächsten Wochen immer wieder auf ihrem Blog:
www.am-Wegesrand.de 




Kommentare:

  1. Begeistert und entsetzt zugleich habe ich deinen Urlaunsbericht gelesen. Es ist schon immer wieder verwunderlich, wie die Menschen mit ihrer Lebensumgebung umgehen. Das was du von Hiddensee berichtest ist in der Tat nicht sehr schön!

    Und du warst in Berlin??? Am Maybachufer??? Da treibe ich mich auch manchmal rum. Und dein Lieblingscafe werde ich demnächst mit zwei Frundinnen zum Frühstück aufsuchen!

    Lieben Gruß Marion

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  2. sehr interresant dein BERICHT.....ich mog ja alles gern mit GESCHICHTE........tolle FOTOS,,,,,lass da an liabn GRUß,,,,do....BIRGIT

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