Montag, 13. Mai 2013

traut euch!

"Impressum - Panikmache oder Vorsicht - eine Abwägung

Gibt es tatsächlich eine Impressumspflicht für Blogs?
Mit dieser Frage habe ich mich nun das vergangene Wochenende beschäftigt und muss gestehen, ich weiß es immer noch nicht. Zu unterschiedlich sind die Meinungen, zu verwirrend Gesetzestexte und Auslegungen.
Zunächst habe ich in Smila's World verlinkte Seiten studiert, dann Reaktionen (Kommentare) gelesen, bei Doppelnaht ist der Link mit dem Titel "Allgemeine Hinweise zur Anbieterkennzeichnungspflicht" hinterlegt. Danach fand ich auf die Seite "Die Impressumspflicht nach § 5 TMG / § 55 RStV" über Gabis Blog - alles nur dazu angetan, meine Irritation zu fördern.
Für mich stellt sich die Frage nach der Konsequenz. Abwarten und aussitzen, handeln oder gar den Blog schließen? Abwarten würde bedeuten, eventuell eines Tages abgemahnt zu werden, was mit erheblichen Kosten verbunden sein kann. Das kommt sicher nicht in Frage. Bleiben "Daten veröffentlichen" oder "Blog schließen".
Da wir uns alle mit unseren Blogs keinesfalls im Niemandsland bewegen, sondern jedes Bild, jeder Buchstabe Spuren hinterlässt, die nicht mehr gelöscht werden können, alle Schritte immer nachvollziehbar bleiben, habe ich mir schon vor dem Einrichten meines Blogs Gedanken gemacht, wieviel Öffentlichkeit ich denn möchte. Und wenn ich hier schon nachspürbar öffentlich bin, macht es da noch einen großen Unterschied, wenn ich meine Anschrift preis gebe? Für mich schon. Meine erste spontane Reaktion war deshalb auch: Blog schließen. Mittlerweile habe ich mich mit meiner Familie beraten und bei einigen von euch nachgefragt, wie ihr mit der Impressumspflicht umgehen werdet und welche Erfahrungen ihr gemacht habt, wenn ein Impressum bereits vorhanden ist. Und eure Antworten sagen mir, dass ein Impressum wohl bedenkenswert aber nicht bedenklich zu sein scheint. ..."
Das war mein Beitrag am  20.8.2008 - also im ersten Jahr meines Blogzeitalters - als Diskussionen um Impressumspflicht in mehreren blogs stattfanden. Dem ist eigentlich, außer vielleicht noch einem kleinen Erfahrungsbericht, kaum etwas hinzuzufügen.

Ich habe mich damals für's Weitermachen entschieden und sowohl Name als auch Adresse eingesetzt.
Mittlerweile sind viereinhalb Jahre um und ich kann nichts Negatives vermelden. Es ist einfach nichts passiert. Weder wurde ich mit Werbung zugemüllt noch hatte ich ungebetenen Vertreterbesuch an der Haustüre. Eingebrochen wurde auch nicht (man muss halt das kleine Einmaleins der Einbruchsvorbeugung beherzigen und darf nicht die Vorfreude auf den Urlaub via blog hinausposaunen, vielleicht sogar zum gegenteiligen Mittel greifen und vorposten für die Urlaubstage, die Blogpause aber auf Tage daheim verlegen - nur so als kleiner Tip am Rande).
Und die Befürchtung, dass mich jemand an der Adresse erkennt, extra anreist, gar klingelt um mir seine Meinung zu sagen, halte ich für abwegig. Anonym über Kommentare lässt sich so etwas letztlich viel leichter erledigen - da braucht niemand seine Identität preiszugeben und Gesicht zeigen. 
Ein einziges mal wurde ich angerufen von einer Leserin/Bloggerin, die hier in der Ecke zur Kur war und mich nach Möglichkeiten zum Stoffeinkauf fragte. War das jetzt schlimm? Etwas irritierend vielleicht, eine email hätte mich (natürlich) nicht verwundert, aber weh getan hat es nicht.  
Einige Blogbetreiberinnen haben damals - vor knapp 5 Jahren - mitgezogen, eine schrieb mir, sie werde das Impressum auf jeden Fall veröffentlichen - was ich dann dort zu lesen bekam, war die Distanzierung zu verlinkten Seiten - das ist natürlich nicht gemeint. Es müssen schon Name und Adresse sein.
Michou hat nun dieses Thema letzte Woche wieder aufgegriffen, und ich springe ihr - als eine die "mit" lebt - virtuell gerne zur Seite.  Traut euch! möchte ich euch zurufen, betreibt euren blog in eurem Namen mit eurer Anschrift. Es lebt sich sicherer. Wenn Abmahner auf die Idee kommen, blogs nach Impressum zu durchsuchen, schützt leider auch "Nichtwissen" nicht.
 Ich hätte die Rechtslage zum Impressum auch lieber anders, aber da es momentan so ist wie es ist, habe ich - fürchte ich - keine große Wahl. Darauf hoffen und vertrauen, dass irgendwer irgendwann irgendetwas tut, damit sich die Gesetzeslage ändert, halte ich für gewagt.
 
Urheberrechte gelten übrigens auch für Bilder und Texte, die noch keine 50 Jahre alt sind. Leider kann ich von einem Fall erzählen, wo in einem Forum ein Gedicht veröffentlicht wurde und selbst der Hinweis auf die Dichterin nicht vor Abmahnung schützte, die Schreiberin hatte vergessen ums Recht zur Veröffentlichung nachzufragen. ((Tut mir leid Herr Mey, manch ein Gedicht von Ihnen habe ich jetzt hier lieber einmal still gelegt. Aber wenn ich Zeit habe, frage ich bei Ihnen nach. Ich gehe zwar davon aus, dass Sie auf diese Einnahmequelle nicht angewiesen sind, aber sicher ist sicher und abmahnen dürfen auch andere, nicht unmittelbar "Geschädigte", leider.)

Internet ist keine "Freihandelszone", kein rechtsleerer Raum. Wer Urheberrechte verletzt kann abgemahnt werden. Ich brauche zur Veröffentlichung eines von mir nicht selbstgemachten Bildes oder Fotos die Einwillung des Besitzers/Fotografen. Sonst bin ich abmahnbar. Es ist also ratsam, nur eigenes Gedankengut und eigene Bilder zu veröffentlichen, Bilder anderer einzustellen und die Quelle anzugeben reicht nicht.

Abmahnen bedeutet keinesfalls, dass ich ermahnt werde, es in Zukunft "richtiger" zu machen - was so harmlos klingt, kann teuer werden. Was ist die (Raub)kopie eines Bildes/eines Textes wert? Das festzustellen obliegt dem Abmahner. Viele langen gerne gut zu und es drängt sich der Verdacht nach einem Geschäftsmodell zum Geldverdienen, fast schon eine Art "Gelddruckmaschine", auf. Also seid vorsichtig, baut vor. Ich kann mich da nur wiederholen.
Wer auch immer abgemahnt wird: Eine nachträgliche Entfernung eines veröffentlichten nichteigenen Bildes ändert an der Tatsache des Verstoßes gegen das Urheberrecht nichts. Auch nicht das nachträgliche Hinzufügen der Adresse. In diesem Fall gilt dann wieder einmal: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. 
In diesem Sinne: traut euch!

Kommentare:

  1. Danke für deinen Beitrag und einen Rückblick. Deine Gedanken teile ich voll und ganz und nun lass uns hoffen, dass das auch gelesen und umgesetzt wird. Sicher ist sicher!

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  2. Hallo Friederike,
    danke für Deinen Erfahrungsbericht. Du hast ein Thema angestoßen, das ich auch bisher negiert habe.
    Muss ich mich dringend damit beschäftigen.
    Liebe Grüße
    Valomea
    PS: sie wird nicht wahrgenommen, ich weiß nicht wie oft ich mich schon an diesen echten Schönheiten gefreut habe, und gelesen hab ich nix....

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  3. Liebe Friederike,
    ein oft angesprochenes Thema. Irgendwie will ja jeder so wenig wie möglich von sich Preis geben. Ich muss aber noch einen Tick weiter gehen. Dein Impressum ist nur ein Bild soweit ich sehen kann und wohl auch nicht ganz zulässig. Habe mal gehört, dass ein jeder der Deinen Blog lesen kann eben auch Zugang zu Deinem Impressum haben muss. Für Blinde wird das mit einer Bilddatei eben schwierig und ist wohl daher auch abmahnfähig. Ich habe auch jahrelang eine Bilddatei gehabt. Bin aber schon vor einem Jahr zur Textform übergegangen. Auch da muss ich sagen, habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Auch keine Spam, oder ähnliches. Nur mal so als Hinweis.
    LG
    Kerstin

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    1. nach meinen Recherchen muss ein Impressum
      leicht als solches erkennbar,
      unmittelbar erreichbar und
      ständig verfügbar sein.
      und für Blinde wird es doch wohl auf jeden Fall schwierig, meinen blog zu lesen - oder hab ich da was missverstanden?

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    2. Hmmm, also nur eine kurze Recherche im Internet ergab dies: http://rechtsanwalt-schwenke.de/abmahnung-wegen-impressums-als-bilddatei/
      Ich denke schon, dass Blinde sich Internetseiten in irgendeiner Art elektronisch vorlesen lassen, oder ähnliches. Da könnte doch auch ein Blinder bei Dir vorbeisurfen. Ob dem tatsächlich so ist, steht ja offen. Es scheint aber so, als ob auch eine Bilddatei nicht unbedingt vor Abmahnerei schützt.

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    3. Eine Bilddatei ist ein rechtlich unwirksames Impressum. Als hättest du keines. Abmahnbar. Das Stichwort heißt "barrierefreier Zugang".

      Lg, Bronte

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  4. Ein sehr spannender Artikel, vielen Dank.
    Ich habe noch nie fremde Fotos auf meinem Blog gezeigt, da passe ich sehr auf.
    In der Schweiz gibt es diese Impressumspflicht nicht, aber ich überlege auch schon länger ob ich nicht freiwillig eines schreiben soll resp. veröffentlichen soll. Bisher fehlte mir wirklich auch ein wenig der Mut. Auch wenn du natürlich recht hast, man findet schon raus wer ich bin und wo ich wohne wenn man sich etwas Zeit nimmt und sämtliche versteckte Hinweise sammelt die es in meinen Postings gibt.
    Schwierig schwierig.

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  5. Ich habe auch schon seit langen ein Impressum im Blog stehen. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.Wer Böses im Sinn hat wird sicher auch ohne Impressum fündig werden.Spuren lassen wir alle zu genüge zurück.
    Liebe Grüße
    Helga

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  6. Liebe Friederike,
    Danke für deine Zeilen. Ich bin diejenige, die ein Gedicht in einem Forum gepostet hatte. Ich selber hatte das Gedicht aus dem Internet. In der Quelle dieser Zeilen stand der Hinweis "Autor unbekannt". Diesen Hinweis habe auch ich angebracht, als ich das Gedicht in einem Forum gepostet habe. Es ging um ein kleines Nikolausgedicht. Eine Mutter fragte, ob jemand ein nettes Gedicht kenne und ich habe dieses Gedicht veröffentlicht. Der Spass hat mich 300 Euro gekostet. Ich hätte es auf eine Verhandlung ankommen lassen können und versuchen können zu beweisen, dass die Autorin mit Abmahnungen besser verdient als mit Gedichten und Geschichten und dies als Geschäftsmodell verwendet. Das hätte aber einen langen Nervenkrieg bedeutet, Gerichtsstand in D obwohl ich in Ö wohne usw....
    Auch die Tatsache, dass ich die Autorin ja gar nicht um Erlaubnis hätte fragen können, da sie ja unbekannt war, ändert nichts an der Urheberrechtsverletzung.
    Auf meiner HP habe ich seither auch ein Impressum und habe auch keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Allerdings ist es auch eine Bilddatei. Ich wusste auch nicht, dass das nicht zulässig ist.
    Vielleicht wird es Zeit die HP zu schließen, ich habe sie auch schon lange nicht mehr aktualisiert. Die Rechtslage ist zu schwierig.
    Danke für den Denkanstoß!

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    1. Übrigens, eigentlich hatte ich doch einen erheblichen Nachteil durch das Impressum. Ich hatte es nämlich schon vor diesem Vorfall. In meinem Profil in dem Forum hatte ich meine HP verlinkt und durch das Impressum auf der HP hat die Anwaltschaft mich ausfindig gemacht. Die Forumsbetreiber hätten meine Daten nämlich nicht weiter gegeben.

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  7. Liebe Friederike,
    Dein Kommentar bei Michou und der Artikel, den ich jetzt bei Dir gefunden habe, waren echt erhellend, ich wusste bislang gar nichts von der Impressums-Pflicht. Ich hoffe,, dass das für mich nicht das Ende des Bloggerlebens bedeutet, das muss die Familienkonferenz klären. Dein Bild gefällt mir übrigens sehr gut, das ist sicher selbst genäht!
    LG, Mirabell

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    1. aber Achtung mit dem Bild: nimm lieber keine Bilddatei - barrierefrei soll das Impressum sein - seit meinem Beitrag weiß ich es jetzt auch besser und habe das Impressum völlig unabhängig von dieser Bilddatei noch einmal gut sichtbar oben in die Leiste mit den Seiten gesetzt. Wenn es schon sein muss, dann lieber richtig, sonst ärgert man sich nachher, weil doch dem Scheine nach das Impressum da war.

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