Montag, 17. September 2012

Versorgungsstränge

Im November letzten Jahres, als immer klarer wurde, dass das Gartengrundstück tatsächlich zu Bauland würde, als unter den vielen Bewerbern zwei ernsthafte Interessenten ihren unbedingten Kaufwillen zeigten, musste das Gelände noch erschlossen werden. Was bedeutete, dass das Gartenland nun mit Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen versehen werden sollte. Was bedeutete, dass wir über die Wintermonate mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen hatten: Die Versorgungsstränge sollten durch die Straße geführt werden. Dazu musste diese natürlich aufgerissen und tief genug ausgebaggert werden. Was sich hier wie die Behinderung im normalen Straßenbau anhört, war für uns etwas einschneidender. Die "Straße" ist so breit, dass gerade mal ein Auto darauf fahren kann, ein langsamer Lkw geht auch noch. Zwei sich entgegenkommende Fahrzeuge müssen verhandeln, wer darf vorwärts und wer muss rückwärts.
Wir und alle betroffenen Nachbarn wurden angeschrieben, damit wir unsere Autos - so wir sie in den nächsten Wochen und Monaten denn benötigten - am besten etwas abseits der querenden Landstraße parken sollten. Gegebenenfalls auch auf dem Parkplatz der Tagungsstätte. Letzteres erwies sich als unmöglich, weil gerade in diesen Wochen heftig getagt wurde - so heftig, dass es sogar um die zusätzlichen Straßenparkplätze eng wurde.
Wer allmorgendlich zur Arbeit musste, hatte es nicht leicht. Ein schmaler Pfad neben der aufgerissenen Straße blieb uns Fußgängern. Dunkel, manchmal rutschig durch Eis, Schnee oder Regen, erwies es sich am besten, mit schwerem Schuhwerk bis zum Auto zu stapfen um dieses dann dort mit den mitgenommenen eleganteren oder auch nur saubereren Schuhen zu tauschen. Taschenlampen kamen zum Einsatz, denn das zugefrorene Schlüsselloch für's Auto wollte gefunden sein. Alles schien sich an manchen Morgen gegen mich verschworen zu haben: Eisregen und Auto frei kratzen ohne Licht. In der einen Hand den Fensterkratzer, in der anderen die Taschenlampe, im Nacken den Zeitdruck.
Einer der angehenden Bauherren hielt regelmäßigen freundlichen Kontakt zu uns und bedauerte die Belästigungen, was zum positiven Erleben dieser Zeit gehört. Genau wie die Baustellenmannschaft, die regelmäßig das Gespräch suchte, uns in die Widrigkeiten des Straßenbaus einweihte, in wetterbedingten Stillstand, in die Schlechtwettergeldregelung und in familiäre Sorgen. Waren die Temperaturen gar zu eisig, brachte ich auch schon mal Kaffee vorbei. Die Arbeiter ihrerseits waren darauf bedacht, uns nicht auch noch beim Queren der Baustelle zusätzlich zu behindern, sie rückten mit ihrem schweren Gerät jedes mal zur Seite oder hielten die Baggerschaufel so lange in der Luft, bis wir sicher an ihr vorbei waren.  Und: sie boten uns ihre Unterstützung an: Sprudelkästen oder schwere Einkaufstaschen wurden an die Haustüre gebracht oder andersrum die vollen Mülleimer über die Holpergasse zur Straße.
Es war mit diesen Einschränkungen eine Zeit des ein stoisch-friedliches Miteinanders der unmittelbar betroffenen angrenzenden Nachbarn und der Straßenarbeiter. Was schließlich dazu führte, dass die Straße über die Weihnachtstage zugeschüttet und im weiteren Verlauf in zwei getrennten Abschnitten wieder aufgegraben wurde. Zumindest wir konnten so bis zu unserem Haus fahren und auch unsere nächstliegenden Nachbarn bei uns parken lassen.
Im Nachhinein bin ich mehr als erleichtert, dass in diesen ersten Wochen und Monaten keiner von uns Weganrainern  den Notarzt, den Krankenwagen oder gar die Feuerwehr rufen musste. Nicht auszudenken!!!!

zu guter Letzt:

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