Montag, 3. September 2012

Sehnsucht nach der heilen Welt

Als die Welt um uns herum noch idyllisch war, lebten in naher Nachbarschaft einige Schwestern der Franziskanerinnen. Sie wohnten in einer großen Villa mit einem riesigen Obst- und Gemüsegarten. Der Mann für's Leben kannte einige noch aus seiner Kindheit - Schwestern werden meist uralt.
Mit den Schwestern hatten wir ein freundliches Verhältnis, mit einigen sogar ein freundschaftliches. Schwester Friedeswita, die frühere Köchin, war eine herzensgute Frau. Immer konnte ich sie in ihrer Küche besuchen. Sie schenkte uns von ihren frischgebackenen Apfeltaschen und Hefehörnchen, die besten Apfeltaschen und Hefehörnchen, die ich je gegessen habe. Sie hat mir ihr Rezept vermacht, aber ich behaupte, ihre waren trotzdem besser. Das Rezept bestand aus einem Grundrezept mit einer Variation: 10 Gramm mehr Butter für Sonn- und Feiertage. Mit den Gartenschwestern war der Kontakt auch sehr intensiv: Setzlinge von hüben nach drüben, herrliche Salate oder Schalen voller Erdbeeren im Tausch z. B. mit Azaleenzweigen zur Beschmückung des Maialtars. Die Oberinnen wechselten und mit ihnen die Intensität der Beziehung. Viele der Schwestern starben über die Jahre, jüngere kamen keine nach, sollten junge Frauen ins Kloster eingetreten sein, gab es drängendere Projekte, an deren Stelle sie versetzt wurden.
In den letzten Jahren, als nur noch ganz wenige Schwestern hier lebten und das Haus kurz vor seiner Auflösung und einem eventuellen Verkauf stand, gab es nochmals eine sehr herzliche und innige Beziehung zu einer Schwester. Schwester Hortensia war Krankenschwester und pflegte einige ihrer Mitschwestern. Zum Ausgleich für diese anstrengende Tätigkeit brauchte sie etwas Bewegung und frische Luft. Nach und nach eroberte sie sich das Gartengelände, pflanzte Blumen, baute Kartoffeln und Gemüse an, einen große Himbeerhecke wuchs der seitlichen Haustür gegenüber und auch der Tausch von Salat und frischem Obst belebte sich wieder. Nachdem alle Schwestern auf andere Einrichtungen des Klosters aufgeteilt waren, hielt Schwester Hortensia in dem großen und leeren Gebäude Haus und Hof zusammen, bis auch sie wehen Herzens ins Mutterhaus übersiedelte. Wir hielten den Kontakt bis zu ihrem Tod.
Die Villa wurde nicht verkauft. Aber umgebaut und grundlegend renoviert. Neben einer schönen Wohnung in einem Seitenflügel ist dort hauptsächlich ein Tagungsgebäude entstanden. Der Nutzgarten ist jetzt Bauland.

zu guter Letzt:

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