Dienstag, 25. September 2012

Blick auf die Fernbedienung

Es geht jetzt doch ganz fix voran mit den nördlichen Baustellen. Am Montag letzter Woche wurde bei der nordöstlichen Familie vom Zimmermann die Wände gestellt. Spätabends traf ich die Bauherren im Dunkeln mit einem Glas Sekt in der Hand an, sie luden ein, den jetzt ganz offensichtlichen Fortschritt zu feiern.
Auch für sie war der holprige Beginn der Bauphase mit nicht enden wollenden Behördengängen z. B. wegen der Verlegung und Renaturierung eines kleinen Baches (Auskunft des zuständigen Beamten: Ich kann so eine Eingabe ohne Begründung erstmal einige Wochen liegen lassen ...) in weite Ferne gerückt und aktuellen Problemen gewichen.
Für uns, die wir jahrzehntelang auf bewirtschaftetes Gartengelände unseren Ausblick hatten, dahinter die Rebberge, kommt die Veränderung viel zu schnell. Mein Kopf sagt mir seit Jahren, dass hier Häuser gebaut werden, jetzt wo es soweit ist, hinken Gefühle und Akzeptanz hinterher.
Als sich durch Baggerarbeiten der herrliche Garten in eine Mondlandschaft verwandelte, sah ich vor meinem geistigen Auge ein letztes mal die Schwestern Johanna, Euthymia und Hortensia, wie sie ihr Gemüse pflanzten, hackten, ernteten. Der Blick auf die Baustellen verbietet jede Erinnerungan das was war, das Auge findet dafür keinen Halt mehr - das Grundstück, die Umgebung haben sich verändert:
Der Mutterboden wurde abgetragen, Berge davon aufgetürmt, das Bächlein mäandert mittlerweile zu einem breiten Bachbett ausgebaggert, in den ausgehobenen Baugruben musste der Untergrund verdichtet werden. Lkw um Lkw brachten Fuhren von Kies und Schotter.  Luden ab, fuhren erneut, die Gesteinsmassen wurden mit Kleinbaggern verteilt und schließlich festgerüttelt. Diese Tage waren ein Härtetest. Das Rütteln zum Teil so stark, dass ich schwören könnte, bei uns wackelten die Wände.
Als der Kran aufgestellt war, musste natürlich probegekrant werden, der Radius getestet. Wir saßen gerade auf der Terasse als er langsam auf die stattliche nachbarliche Thuja zuschwebte, in sie hinein fuhr und - nicht knickte, aber die oberen fünf Meter in die Waagerechte bog. Einmal, zweimal, dreimal passierte das. Niemand schien zu bemerken, was dem Baum geschah. Keinen zu interessieren. Ziel war offenbar, den Kran im Kreis zu führen. Egal wie.
Bis ich mich bemerkbar machen konnte, bremste die Thuja den Kran noch so einige male ab. Ich schrie den Kranführer an, er konnte mich bei dem Lärm nicht verstehen, hatte nur seine Fernbedienung im Blick, aber meine überdeutliche Zeichensprache verdeutlichte ihm mehr als Worte, was ich von seiner Aktion hielt und hat so der Thuja mit Sicherheit ihre Spitze gerettet.

zu guter Letzt:

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