Montag, 21. Mai 2012

Vom Sack zum Kleid

Ein weiteres Posting über mein derzeitiges Lieblingskleid Nummer eins. Ich möchte noch ein bisschen darin schwelgen aber auch was zu unseren Schnittänderungen schreiben, so lange Kleid und Erinnerungen aktuell sind.



Gleichzeitig - oh, ich liebe 2-Fliegen-mit-einer-Klappe-Posts (noch besser sind 3-Fliegen-mit-einer-Klappe-Posts) - möchte ich so ganz nebenbei Meikes Nähfragezeichen dieser Woche beantworten:



"Näh-Chinesisch"
Näht ihr nach fremdsprachlichen Anleitungen und Schnittmustern? Übersetzt ihr diese oder wie geht ihr vor?

Es wird also mal wieder länger hier.
In der Regel schaue ich mir nicht an, in welcher Sprache ein Schnitt geschrieben ist, meist reicht ein Blick auf die technische Zeichnung und ich weiß, ob er sich mir erschließt oder nicht. Wenn ja, nähe ich "blind" drauf los. Sonst übersetze ich. Holländisch kann ich nicht. Wäre schwierig geworden beim Knip-Knoten-Kleid und noch schwieriger beim Onion-Knoten-Kleid. Beim KKK hatte ich aber eine schön ausformulierte Nähanleitung bei Meike gefunden, ich brauchte keinerlei Übersetzungshilfe. Beim OnionKnoten war's nicht ganz so einfach. Da gab es nur Text und keine hilfreichen Zeichnungen. Obwohl das Kleid bei weitem leichter zu nähen ist als das KKK brauchte ich doch länger bis der Knoten in meinem Kopf platzte. Seitdem nähe ich auch dieses "blind".
Mit englischen bzw. amerikanischen Anleitungen geht es mir nicht anders.



Schwierig war beispielsweise der Schnitt vom "Weihnachtskleid", er war mein erster unbedruckter, bis dahin wusste ich noch nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt: hauchdünnes Papier mit einigen verschieden großen Löchern und Eckchen. Sah teilweise aus wie "angefressen".



Ich stocherte ein Weilchen im Nebel bis auch der letzte Groschen bei mir fiel und mir klar war, welches Löchlein in welcher Größe was zu bedeuten hat, was Passzeichen, Fadenverlauf oder Abnäher markiert und was einfach nur altersbedingte Materialermüdung. Die weiteren Schnitte dieser Art, z. B. das blaukarierte Anne-Adams-Kleid oder auch Simplicity 4758 meisterte ich daraufhin souverän. Ich übertrage die Schnitte zum Arbeiten auf Folie und zeichne dabei gleich alle Fadenverläufe oder Abnäher ein, wobei ich mich auch an der Bebilderung orientiere. So brauche ich mich nicht jedesmal wieder neu einzudenken oder Fachvokabular zu übersetzen, Leo sei dank kenne ich mich da mittlerweile ganz gut aus;  meine Nähaktionen ziehen sich nämlich manchmal ein Weilchen hin.


In englisch, französisch, schwedisch, holländisch oder dem "chinesisch" mancher Burda-Anleitung bin ich mittlerweile einigermaßen geübt: ich übersehe geflissentlich was da geschrieben steht und nähe, wie ich es für richtig halte, die Sprache hat mich also noch nie davon abgehalten, einen Schnitt auszuprobieren. Mit den Schnitten aus einem japanischen Buch möchte ich es ebenso machen. Allein zu Angaben der Größe - wie sehen Brust-, Taillen- und Hüftweite in japanischen Schriftzeichen aus? - würde ich mir einen Beilagenzettel wünschen.
Im aktuellen Fall - ich nähe in Begleitung Kleid 105 aus einer Knip-Beilage - bin ich dankbar, dass Melleni das deutsche Heft besitzt und mir Übersetzungshilfe leistete und sie und Arlett geduldig Fragen beantworten. Das spart Zeit. Die Teile erschließen sich nämlich nicht von selbst, jedenfalls nicht auf den ersten Blick.


So, zurück zu den Änderungen meiner Schnittteile.
Wir machten es mit dem Schnitt tatsächlich so, wie man es in Burda-Anleitungen oder vielen anderen Heften sieht:



nur dass hier nicht ein bisschen raus musste, sondern im Oberteil im Schulter-Brustbereich zunächst einmal ausgemessene 8 cm.



Also falteten und klebten wir im Vorderteil parallel zum Fadenlauf im Schulterbereich je 2 cm, rausschneiden wollten wir nicht, um möglicherweise doch nochmals Breite nachgeben zu können. Im Rückenteil genauso, parallel zur hinteren Mitte, dem Stoffbruch.


Vergleich von Original-Schnitt und angepasster Neu-Ausgabe
Wir orientierten uns bei der wegzurechnenden Menge einmal an meinem Brustumfang und an der Schulterbreite. Richtung Taille, zum Rockansatz hin gaben wir etwas zu, bzw. rechneten nicht ganz so viel weg. Einmal an mich dran gehalten sah man sogleich, dass der Armausschnitt noch viel zu weit war, diesen verkleinerten wir. Und wir kürzten die Länge, sonst hätte sch die Taillennaht Richtung Hüfte befunden.

erste Anprobe
 
Nachdem es so aussah, als könnten die Maße stimmen, habe ich den Stoff zugeschnitten und mit großen Heftstichen alle Teile provisorisch aneinander genäht, damit wir noch zu zweit eine letzte Korrektur vornehmen konnten. Die war nötig, denn das Kleid schien uns immer noch ein Tick zu weit zu sein. Das war zwar im Vergleich nur noch eine minimale Veränderung, aber Karin steckte mir auf beiden Seiten nochmals gut 1 cm ab, also insgesamt 4 cm, die nochmals raus mussten.
Auf dem Bild kann man es sehen.


Der Rest war dann ein Klacks. Zu Hause trennte ich die Heftstiche auf, reduzierte die Seiten- und Ärmelweite und nähte das Kleid erneut zusammen. Dieses mal mit Beleg und Versäuberung. Die neuen Maße übertrug ich noch auf den Schnitt.



Auf den ersten Blick erscheint es etwas viel an Aufwand für ein einziges Kleid. Und es hört sich - jetzt, wo ich den Text nochmals lese - einfacher an, als es letztlich war. Der Schnitt beinhaltet nämlich rundum knappe 1,5 cm Nahtzugabe. Die galt es bei allen Anpassungen immer mit zu berücksichtigen.
Da es sich für mich aber nicht um irgendeinen Schnitt handelt, sondern ich ihn schon lange bevor ich ihn besaß zu meinem Lieblingsschnitt erklärte, kann der Aufwand gar nicht groß genug sein. Einmal richtig Zeit und (Karins) Können investiert erlauben mir problemlose Wiederauflagen dieses Kleides.
Ich habe bei unserer Nähaktion wieder viel gelernt, in aller Hauptsache: mich trauen. Aber auch, dass es sich zu zweit fröhlicher nähen lässt, man sich in Wissen und Können gut ergänzen kann und dass es sich mit einem zusätzliche Händepaar  besser abstecken lässt, als wenn man alleine vor dem Spiegel rumturnt.

Der Stoff hat die Auftrennerei und manche Fehlstiche gut mitgemacht, innen ist von außen nicht gut zu unterschieden und so kam es zu mancher Verwechslung. Er ist aus fester Baumwolle und erinnert in seiner Struktur im Bereich der Blümchen an Seersucker. Also auch noch bügelfreundlich, kurzes Drüberrutschen mit dem Bügeleisen reicht, glatter wird er nimmer.
Dass es ein Blumenmusterkleid wurde, ist eher Zufall. Dieser Stoff gefiel mir von allen angebotenen am besten.
Gekauft hatte ich 2,50 Meter. Das war über den Daumen gepeilt und stellte sich als zuviel heraus.

1 Kommentar:

  1. Danke für den schönen Post. Ich lese solche Sachen derzeit lieber als einen Roman und finde es spannender als einen Krimi!

    AntwortenLöschen

ich danke euch für eure Kommentare.Für posts, die älter als 4 Tage sind habe ich die Kommentarfunktion eingeschaltet. Diese Kommentare werden von mir nachdem ich sie gelesen habe freigeschaltet.

zu guter Letzt:

Auf die in meinem Blog verlinkten Seiten habe ich keinerlei Einfluss - weder auf deren Gestaltung noch auf die Inhalte. Für den Inhalt der von mir verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Dies ist eine private Website, ich untersage jegliche Weitergabe meiner persönlichen Daten. Von mir eingestellte Bilder dürfen erst nach Rücksprache ausschließlich für private Zwecke verwendet werden.