Mittwoch, 2. Mai 2012

Im Wettlauf mit dem Wetter

Der Wettergott scheint es auf mich abgesehen zu haben, ich habe das Gefühl, er "dreht mir gerne eine Nase". Beweise hierfür habe ich genug. Seit Jahren sammele ich sie:
Wenn ich die Wäsche draußen aufhänge, also die Wäschespinne endlich aufspanne, schlägt garantiert das Wetter spätestens dann um, wenn die Wäsche erst halb trocken ist
und
beschließen wir an einem Mittwoch oder Donnerstag einer sonnigwarmen Woche, am Wochenende zu grillen, laden dazu möglicherweise gar, leichtsinnig wie wir manchmal sind, Gäste ein, gewittert es mit Sicherheit.
Noch schlimmer kommt es, kaum dass ich nach einer langanhaltenden Trockenperiode endlich den Schlauch anschließe, den Garten gewässert und den Teich nachgefüllt habe, dann - ihr denkt's euch schon - dann gibt es im Anschluss einen dieser sommerlich-sintflutartigen Wolkenbrüche.
Die Liste ist noch länger: im milden Januar nähte ich mir für die Oper in der Hauptstadt ein Leinenkleid, daraufhin setzte eine neue Eiszeit ein, das Kleid blieb zu Hause und ich reiste (schick!!!) mit meinen dicksten Winterstiefeln und wärmsten Unterrock im Gepäck.
Müsste die Tiefkühltruhe dringend abgetaut werden, sind die Wintertage immer zu warm. Mache ich es trotzdem irgendwann entnervt, fallen die Temperaturen - aber erst ein, zwei, drei Tage später, war ja klar.
Ich kann noch mehr aufzählen, die Liste ist noch länger ...

Hier liegen immer noch die schönsten Sommerstöffchen in ihrem Karton, in dem ich sie direkt vom Maybachufer ins idyllische Schwarzwaldstädtchen schickte, und mir fehlen Lust und Überzeugung, daraus luftige Kleider zu nähen. Letzte Woche trug ich nochmals - hoffentlich zum letzten mal in dieser Saison - die halbdicken Winterstiefel.



Jetzt habe ich mich entschlossen, diesem miesepetrigen Wetter gegen zu halten und zu einem letzten drastischen Mittel zu greifen, damit es endlich wärmer wird: Ich habe meinen blaukarierten, im Winter zur Seite gelegten Stoff herausgekramt und mir ein wärmendes  (Übergangs-)Kleid genäht. Grotesk Ende April? Ganz sicher nicht, eher der verzweifelte Versuch, aus meinen Erfahrungen einen Umkehrschluss zu ziehen.

Und der Trick scheint zu funktionieren, es wurde schon erheblich wärmer, als das Kleid zugeschnitten da lag, es wurde richtig gut warm, fast heiß, als ich es zur Hälfte fertig genäht hatte. "Jetzt nur nicht aufgeben und nach den dünnen Stöffchen schielen, halte durch!", dachte ich mir und nähte unverdrossen weiter.
Und was sagt ihr dazu? Es klappt doch schon ganz gut. Notfalls hätte ich noch einen weiteren Stoff vom Winter hier liegen, der ist aber weniger Übergang sondern so ganz und gar und richtig Winter. In Farbe und Qualität. Ich kann auch Nasen drehen. Wenigstens versuchen.




Ein Bild für euch, eins für den Wettergott und dann - hoffentlich - ab damit auf die Winter-Kleiderstange, ab auf den Speicher.

Das Kleid ist dieses hier:

Schon öfter habe ich damit geliebäugelt und beim Weihnachtskleid-Nähen war es in meiner engeren Wahl. Ich musste den Schnitt zunächst etwas vergrößern, dann wieder verkleinern. Die Ärmel habe ich durch Puffärmel  und die Aufschläge am Handgelenk durch einen Tunnel-Gummizug ersetzt, die Taille eingekürzt, die Falten im Rockteil schöner gelegt. Außerdem musste ich die Länge erheblich einkürzen. So passt es jetzt aber sehr gut. Aber ist es noch das Kleid auf dem Foto?



Der Stoff fällt und knittert schön, wärmt gut und ist einer von der zerfasernden Sorte, über die man während der Arbeit zwangsläufig entnervt wird, besonders beim Auftrennen. Trotz der vielen Änderungen und Anpassungen war es aber recht schnell genäht, habe ich doch - faul wie ich manchmal bin - die vordere und hintere mittlere Naht durch Stoffbruch ersetzt, was das Kleid ruhiger wirken lässt, und außerdem brauchte ich mich nicht um passgenaues Karo-Treffen in der vorderen Mitte zu mühen.


Und mit Gürtel bauscht mein Kleid herrlich fünfzigerjahremäßig.

Ich freue mich auf viele schöne schon frühlingshafte Kleider wie immer am MeMadeMittwoch bei Catherine.

zu guter Letzt:

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