Montag, 14. Mai 2012

Erlebnisnähen mit Karin

Die Einladung
Karins Einladung kam per email: 
Heute Morgen habe ich daran gedacht, dass es wirklich mal wieder toll wäre, wenn wir uns einen Nähmontag ... gönnen würden.  Der 7. Mai wäre z.B. prima. Da fährt ... auf Abschlussfahrt nach Berlin und ... ist sicher bis 18 Uhr in der Schule, da hätten wir Zeit ohne Ende!!!!!
 
Die Verabredung
Unsere Verabredung scheiterte fast an einem weiteren Näh-Treffen am Wochenende davor, zweimal dicht nacheinander wollte ich keinesfalls in "Haus und Hof" ausfallen, zu viele Vorarbeiten, zu viele Nacharbeiten. Dann kam alles anders, ich konnte eine Arbeit verschieben, hatte plötzlich montagfrei und das Treffen am Wochenende stellte sich als eine terminliche Verwechslung heraus. 
 

Stoff und Schnitt, mein Nähvorhaben
Ich hatte einen Schnitt in Amerika gekauft, etwas zu groß (mit Karins o.k.wegen der Veränderungen) und recht schwer zu bekommen, da echt retro und antik. Seine Ankunft erhoffte ich noch vor unserem Nähtreffen. Sonst würde ich mit Karins Hilfe eine Runde Dessous-Nähen einschieben. Aber im Verlauf der Woche kam der Schnitt tatsächlich an und so konnte ich eine email an Karin schicken:
Dessous-Nähen müssen wir - oder ich - verschieben: Der Schnitt ist da!!!
Blieb die Frage nach dem Stoff zu klären. Nicht, dass ich keinen hätte, aber ich könnte ja auch die Gelegenheit nutzen, bei Karin "um die Ecke" im "Schwarzwaldstoffe" zu stöbern um mir dort einen schönen Stoff zu kaufen!

Die Fahrt
Aufstehen früh wie immer. Der Blick nach draußen: regenverhangen, ideales Nähwetter.
Frühstücken, aufräumen, Schnitt, Teekanne (ganz wichtig!) und Einkaufslisten für das Leben fernab der Nähmaschine in meinen Korb packen. 
Abfahrt halb neun. Zuerst zur Klostermühle, ich bringe frisches Holzofenbrot und Datschkuchen mit.
Ein kleines Bremsmanöver lässt die Thermoskanne kippen, mein Tee flutet den Beifahrersitz. Erste Hilfe mit Papiertaschentücher. 
Dann noch zum Discounter. Für den täglichen Bedarf und zwei dreiteilige Kleinkinder-Sets, für Klein-H. und L4. Beide in den Größen 98/104. Das Mädchenset ist gleich gefunden, die Bubenkombi in reicher Zahl nur (noch) in den Größen bis 86, morgens um kurz vor neun! Aber egal, auf dem Weg zu Karin liegt ein zweiter Discounter.
Zwischenstop bei einem Drogeriemarkt, Teppichschaum kaufen um den Sitz zu retten. 
Ich friere und stelle die Heizung an, das Wetter sieht grollend aus.
Im Auto riecht es nach frischem Brot, aber auch "wenn's so sauber wie gekocht sein soll".
Nächster Halt und mangels Parkplatz ziemlich wildes Parken beim zweiten Discounter, wieder kein Glück. L4, du musst deinen Geburtstag verschieben ...
Ich dümple hinter Lastwagen her. Bei einem der letzten Treffen kam mir die 40minütige Überlandfahrt entspannend vor, heute nervt sie mich und ich beschließe, das nächste mal fahre ich Bahn.
Weiterfahrt: Hausach, Wolfach, zwei Tunnel. Nach dem Tunnel sieht das Wetter meist anders aus als vor dem Tunnel, behaupte ich. Richtung Schwarzwald reißen die Wolken auf, es scheint ein herrlicher Tag zu werden und meine Tunneltheorie sich zu bestätigen. Ich fahre durch den ersten, keine Wetteränderung, dann halt beim zweiten. Und tatsächlich: nach dem zweiten Tunnel fängt es an zu tröpfeln. So war das nicht gemeint! 
"Priml" zitiere ich in Gedanken Kommissar Kluftinger (oje, in letzter Zeit habe ich wohl zu viele Allgäu-Krimis gelesen).
Aber - um bei Zitaten zu bleiben - es ist, wie es ist und es kommt, wie es kommt: In Vorderlehengericht fängt es an zu gießen. Erster Tunnel Schiltach ohne Regen, zweiter Tunnel Schiltach: leichtes Getröpfel, auf nichts ist mehr Verlass, scheint ein unruhiger Tag zu werden!
  
Das beinahe Ende eines kaum begonnenen Nähtages
Ich treffe Karin und sehe einem erfolgversprechenden Nähtag entgegen- das Wetter ist mir jetzt wurscht, ich friere auch nicht mehr. Wir fahren wegen meines feuchten Beifahrersitzes mit ihrem Auto in den Stoffladen, suchen, beraten, begutachten, werden fündig. Dann ein SOS-Anruf auf Karins Händi für mich, meines liegt in meinem Auto, mal wieder der Akku leer. Meine Stimmung kippt, für einen kurzen Moment sieht es aus, als müsste ich ("alternativlos") nach Hause fahren. Aber: es gibt immer Alternativen. Und die macht sich auf den Weg zu Karin. Wir auch, durchatmend die gute Laune zurückgewinnend, mit Stoff und dem Vorsatz: das wird ein wunderbarer Tag. Wir reinigen den Beifahrersitz und trocknen ihn mit einem Föhn. 
 


Die Änderung des Schnittes
Während ich das Auto föhne, wäscht Karin unsere Stoffe in einem Kurzprogramm und schmeißt sie anschließend gleich in den Trockner. So kann ich noch am Nachmittag mit Nähen beginnen!
Ich kopiere meinen teilweise zu großen Schnitt, lasse mich von ihr ausmessen und die tatsächlichen Maße auf das Oberteil übertragen. Mehrere Zentimeter müssen im Brustbereich raus, Taille und Hüfte etwas weniger. Sie rechnet und zeichnet, wir kleben und schneiden, wir denken logisch, ziehen die Nahtzugabe ab oder rechnen sie dazu, wandeln inch in cm. Wir packen mich in den Plastikschnitt und kontrollieren den Sitz. 


 


Karin, meine Heldin
So lange ich den mittlerweile trockenen Stoff bügle kocht Karin ein Kleinigkeit zu Mittag. Es ist ein Rundumsorglospaket bei ihr: sie wäscht und trocknet für mich den Stoff, leiht mir Handtuch, Föhn und Nähmaschine, sie kocht, ändert einen Schnitt genau auf meine Maße, zeigt mir ihre vielen schönen Sockenmuster, schenkt mir eine Portion weißen Jersey, leiht mir einen Kleiderschnitt, von dem sie sicher ist, dass der was für mich sei und näht so nebenher Knopflöcher und Knöpfe in ein Hemd ihres Mannes, schneidet sich einen BH zu und näht ihn an diesem Nachmittag auch noch fertig. Ist es nicht wunderbar eine solche (Näh)Freundin zu haben?
Tatsächlich komme ich am Nachmittag noch dazu das Kleid zuzuschneiden und  (mit der Nähmaschine) zusammen zu heften. So können wir gemeinsam noch letzte Korrekturen vornehmen. An den Seitennähten. Jetzt passt es perfekt und es ist genau mein Schnitt. Liebe auf den ersten Blick, schon als ich ihn bei Cat zum ersten mal sah.
Wie lange habe ich ihn gesucht, täglich ein, meist sogar zwei mal bei etsy und ebay geschaut. Dann fand ich ihn endlich - wenn auch zu groß, egal, jetzt passen wir - Schnitt und Kleid und ich - perfekt zusammen. Ich bin begeistert und werde damit bestimmt zur Seriennäherin.

Heimfahrt - wie immer viel zu spät

Wie immer ist die Zeit zu kurz, wenn wir zusammen nähen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Ich mache mich viel zu spät auf den Heimweg, ziemlich plötzlich - oje, der fast verdrängte zweite Einkaufszettel für das Leben fernab der Nähmaschine ... Aber mit Glückshormonen angefüllt bringt mich selbst der sonst nervenaufreibende Feierabendverkehr nicht aus der Ruhe, mal sehen, wie ich durchkomme. Entspannt gondle ich Richtung Heimat. Ich singe.
Die Metzgerei hat bereits geschlossen. Also Spargel ohne Schinken nur mit den Resten von gestern.


Und daheim, was erwartet mich da?

Freundin Inge hat angerufen, der Nachbar seine beiden Prüfungen mit 1 bestanden, der Hund hat seine tägliche Portion Dreck und Haare ins Haus geschleppt, Post von meiner Freundin, später noch eine email mit Fotos von Karin, kochen, essen, Müslimischung backen, sonst gibt es morgen kein Frühstück.
Und für morgen eine Nacharbeitungsliste erstellen: zu allererst die verschobene Terminarbeit, außerdem wartet ein Berg Wäsche, staubsaugen, putzen, Treppe, Bad, Garten, Gewächshaus und das Päckchen an Gabi sollte auch endlich zur Post ... Der ganz normale Alltag also.



 
zu guter Letzt:

Auf die in meinem Blog verlinkten Seiten habe ich keinerlei Einfluss - weder auf deren Gestaltung noch auf die Inhalte. Für den Inhalt der von mir verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Dies ist eine private Website, ich untersage jegliche Weitergabe meiner persönlichen Daten. Von mir eingestellte Bilder dürfen erst nach Rücksprache ausschließlich für private Zwecke verwendet werden.