Schwarz ist alltagstauglich und festlich und hundehaartauglich und ... ja, ich hab's schon mal geschriebe.
Heute habe ich im Rückblick auf das vergangene Jahr ganz kurz noch einmal mein "Silvester-Kleid "angezogen für den versprochenen Nachtrag. Danach werde ich es wahrscheinlich nicht mehr tragen.
Stoff und Schnitt sind von Stoff und Stil, im Katalog Herbst/Winter 2011 entdeckt, begeistert und bestellt. Meine Überlegung war zunächst, dieses Kleid im Weihnachtskleid-Sew-Along zu nähen. Aber damals erschien mir die Herausforderung mit meinem amerikanischen Vintage-Schnitt verlockender.
Da ahnte ich auch noch nicht, welches Herausforderungspotenzial in diesem Schnitt samt zugehörigem Stoff steckt.
Geschickt bekam ich einen bereits in meiner angegebenen Größe fertig ausgeschnittenen Schnitt aus Vlieseline, versehen mit kleinen Löchern und Einkerbungen, die sowohl Abnäher als auch Markierungszeichen darstellen. Diese Art des Schnittmusters ist mir seit meinem Weihnachtskleid-Nähen nicht mehr unbekannt. Dass ich ihr aber so schnell wieder begegnen würde, damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.
Im Vertrauen auf die Richtigkeit meiner Maßangaben mit mehrmaligem Nachmessen schnitt ich den Stoff zu. Ich war mir sicher, eher eine Nummer zu groß bestellt zu haben und einhalten geht ja immer.
Das Nähen machte mich schon etwas stutzig. Irgendwie kam mir das Kleid eng vor (man hat ja doch so Größenvorstellungen von sich im Kopf), auch wunderte ich mich, dass ich keinerlei Hinweis auf die Länge und Stelle des Reißverschlusses fand - auf der Suche danach entdeckte ich schließlich bei der Nähanleitung den fast schon vernichtenden Hinweis: "Modell A kann nur mit Stretchstoff genäht werden" - zum Glück wird meines Modell B. Trotzdem beschlich mich nach einer vorläufigen Anprobe des Oberteils ein "gespanntes" Gefühl, aber der Stoff war bereits zugeschnitten und angenäht. Also machte ich erstmal mutig weiter, setzte in die Seitennaht einen langen Reißverschluss ein und hoffte so, das Kleid doch noch tragen zu können.
Leider gibt es wenig Erfreuliches zu melden. Das vordere Oberteil ist nicht stimmig: entweder die beiden Vorderteile "fallen" auseinander und ich habe das Gefühl, im Freien zu stehen, oder ich fixiere sie mit wenigen Stichen und bekomme spontane Schnappatmung. Mit anderen Worten: das Oberteil ist mir entweder zu weit oder zu eng. Ich habe mich zunächst für die fixierte Variante entschieden, allerdings gibt es Spannungen. Auf dem Foto sieht man das noch deutlicher als im wirklichen Leben, wo ich ja beständig in Bewegung bin. Ich könnte ein Jäckchen drüber ziehen. Oder mir einen Schal um den Hals winden.
Am Rückenteil stimmt auch irgendetwas nicht, was dieses mal sogar dem Mann für's Leben auffiel (und das will was heißen!), es wirft unvorteilhafte Falten, sich durchdrückend-abzeichnende Speckröllchen könnte man meinen, tatsächlich ist es Stoff. Nur einerseits beruhigend. Beständig habe ich das Bedürnis, das Kleid glatt streichen und nach unten ziehen zu müssen, mal am Rücken, mal vorne. (Ihr seht auf dem Foto meine verkrampfte Haltung?)
Außerdem trägt sich der Stoff nur mittelmäßig angenehm auf der Haut. Und er riefelt sich auf, wenn man mehr als einmal die Naht trennt. Hab ich nämlich gemacht, hab alle Abnäher aufgetrennt und verkleinert um mir Luft zu verschaffen, genützt hat es jedoch wenig. Der Stoff flutscht zu allem Überfluss auch noch davon beim Versuch, die aufgetrennte Naht halbwegs wieder zusammenzunähen.
Fazit Kleid: ab in die Tonne damit. Naja, auf die Kleiderstange - ganz hinten. Aus den Augen aus dem Sinn. Oder lieber ein Ende mit Schrecken statt des Schreckens auf der Kleiderstange ganz hinten?
Fazit Schnitt: eher nicht mehr, auch nicht aus dehndehnbarem Jersey, der Schnitt wird im Niemandsland versenkt.
An Sylvester trug ich übrigens was Bequemeres. Und für die Oper in Berlin, wie ich mir das mal so kühn ausmalte als ich noch frohgemut so meine Nähte vor mich hinnähte, brauche ich ein anderes Kleid.
Schwamm drüber - ich lasse mich zu neuen Taten von den anderen MeMadeDamen inspirieren - ich brauch' jetzt Trost und Abwechslung.
Hier der link zu Catherine mit einem herzlichen Dankeschön.
P.S. Heute vor 4 Jahren - am 4.Januar 2008 - schrieb ich meinen 1. Post.



Shit happens...
AntwortenLöschenschade drum aber ärgern bringt auch nichts.
Kannst Du Dir aus dem unteren Stück nicht einen Rock nähen?
Liebe Grüße
Bettina
Herlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag.
AntwortenLöschenIch schmeiße solche Näherlebnisse weg, weil ich auf keinen Fall daran erinnert werden will. Zumal der Stoff sich ja wohl nicht zur Neuvernähung eignet.
Toll, dass du auch deine Reinfälle dokumentierst.
LG, Claudia
Hallo,
AntwortenLöschenoh solche Näherlebnisse kenne ich auch - ich bin da meist rigeros und ab in die Tonne oder ich schneide mir Stoffstücke aus, falls mir der Stoff doch so gut gefällt er vielleicht eines Tages für etwas anderes Verwendung finden könnte.
LG
Uschi
Schon ärgerlich,vorallem,wenn mach diversen Änderungen das Kleid doch nicht richtig passt.
AntwortenLöschenAuf die Kleiderstange würde ich es nicht hängen,denn anziehen wirst du es eh nicht,oder?
Gratuliere zum Bloggeburtstag..auf viele weitere
GLG
Elke
wie Schade dabei sieht der Stoff so schön aus...auf die Kleiderstange eher nicht ich wäre für zerschneiden und einen Rock oder eine Tasche o.ä. ;-)
AntwortenLöschensei lieb gegrüßt
Anja
Ach, Friederike,
AntwortenLöschenich kann es dir nachfühlen; ich werde auch eine ganze Jacke aufziehen, wunderbare Wolle, völlig musslungenes Ergebnis.
Ich würde das Kleid nicht in den Schrank hängen, dort frustriert es nur.
Ebenfalls recht frustierte Grüße
Ingrid
Das war Pech im letzten Jahr. Lang her. Nicht ärgern - das passiert doch jedem mal. Wenn es ein guter Stoff in einer gern getragenen Farbe ist, würde ich glatte Teile zuschneiden und auf Halde legen für Belege, die mal blitzen dürfen oder ähnliches.
AntwortenLöschenAnsonsten lieber ab in die Tonne und Platz im Schrank und im Kopf für was Passendes *g*
Viel Glück im neuen Jahr mit Schnitten und auch sonst so!
Ach ist das schade, aber ich würde das Teil auch sofort entsorgen. In meinem Umfeld werde ich oft auf die selbstgenähten Kleidung angesprochen. Kürzlich hat mich eine Kollegin extra angerufen, um mir zu sagen, wie toll ich am Tag zuvor ausgesehen habe. Daraufhin sagte ich Ihr, dass nicht alles sooo toll wird. Manchmal misslingt etwas, und das müssen wir ja nicht zeigen - oder?
AntwortenLöschenLG Sissi
Mensch ärgere dich nicht sehr schade um das Kleid, es gibt aber immer wieder nette alternativen, die Vorredner bereits genannt haben.
AntwortenLöschenLiebe Friederike,
AntwortenLöschenerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag.
Und zum Kleid: es passt wirklich nicht, wirkt so leider auch unvorteihaft. Ich würde schauen, was ich vom Stoff für ein anderes Projekt retten kann. Denn der ist wirklich schön.
Liebe Grüße
Gabi