Montag, 5. Dezember 2011

Warten auf Berlin



An das
Servicecenter Fahrgastrechte
der Deutschen Bahn





Sehr geehrte Deutsche Bahn AG, sehr geehrte Fahrgastrechte,

mit Verwunderung habe ich Ihr Schreiben vom 25.11.2011 mit Ihrer Erläuterung zur Erstattung der Kosten von einer Stunde Zugverspätung gelesen. Wie Sie auf Grund meiner Angaben eine einstündige Verspätung errechnen konnten, bleibt mir schleierhaft. Rechenfehler, Denkfehler oder zu viele Erstattungsanträge? Schließlich war im letzten Jahr bei Fernreisen nur jeder 5. Zug pünktlich.
Ich möchte Ihnen noch einmal die Ihnen bereits aus meinem Antrag vom 8.11.2011 incl. Begleitschreiben bekannten Fakten etwas ausführlicher darstellen, vielleicht erkennen Sie daraus die richtige Differenz zwischen vorgesehener und tatsächlicher Ankunftszeit:

Am 30.10.2011 reiste ich mit meinem Onkel, Herrn S. nach Berlin-Lichterfelde Ost.
Die Fahrt begann für mich um 8.51 Uhr mit gesondertem Ticket in meinem kleinen Schwarzwaldstädtchen und für Herrn S. um 9.30 Uhr - ab Offenburg mit gemeinsamem Ticket.
Herr S. ist gehbehindert.
Deshalb war geplant, in Berlin Spandau umzusteigen, für einen gehbehinderten Menschen die einfachste Möglichkeit nach Lichterfelde zu gelangen, da man auf dem Ankunfts-Bahnsteig auf den Anschlusszug warten kann. Laut Reiseverbindungsplan für diesen ICE wären wir um 15.10 Uhr in Spandau ausgestiegen, um 15.20 Uhr mit einem RE weitergefahren und im Zielbahnhof Lichterfelde Ost um 15.52 Uhr angekommen.

Unser ICE  fuhr trotz entsprechender Buchung unsererseits diesen Bahnhof nicht an. Und selbst wenn - wir hätten den Anschlusszug nicht erreicht: Auf halber Strecke gab es bereits einen ersten unfreiwilligen Halt, bedingt durch die polizeiliche Suchaktion eines "Verwirrten", wie uns ein Zugbegleiter auf Nachfrage mitteilte. (Ein zweiter nicht vorgesehener Halt Stunden später wegen Fahrerwechsel ist dagegen fast zu vernachlässigen.)
Mit bereits 45minütiger Verspätung erreichten wir Braunschweig, von wo aus der ICE eine Umleitung wegen Gleisbauarbeiten nehmen musste. Weder Wolfsburg noch Berlin-Spandau lagen nunmehr auf seiner Strecke, dafür hatten wir einen überflüssigen Stop in Magdeburg. (Ich frage mich, wieviele Fahrgäste hier wohl ausgestiegen sein mögen, Magdeburg war für diese Fahrt nicht vorgesehen.)  Aber zurück zu unserer Verspätung. Eingelaufen am Berliner Hauptbahnhof sind wir schließlich um 16.55 Uhr. Damit waren wir unserem Ziel zwar schon nahe, die Reise selbst aber war noch lange nicht zu Ende, wie sich noch zeigen sollte.

Völlig ortsunkundig mussten wir uns erst einmal nach der Bahninformation - dem Service-Center - und dort nach der Weiterfahrt erkundigen. Hätte uns der "Beamte ohne Arbeit" schnell und unbürokratisch eine Auskunft erteilt, wir hätten wahrscheinlich recht bald einen Anschlusszug erreicht. So aber mussten wir uns nach seiner Belehrung - wie konnten wir nur übersehen, wohin wir eigentlich gehören? - in die lange Warteschlange aller übrigen Gestrandeten einreihen. Dieser Informationsschalter bedient wohl nur Patienten erster Klasse.

Die Weiterfahrt war nach Auskunft der bemühten Dame hinterm Schalter um 18.16 Uhr. Wir sollten unbedingt einen Regionalexpress nehmen, für S-Bahnen erteilte sie uns keine Auskunft. So haben wir insgesamt Fünfviertelstunden auf Ihrem herrlichen Bahnhofsareal abgestanden und gewartet: Während dieserZeit saßen wir an den Gleisen und genossen in der Wartehallen-Atmosphäre mit den ein- und abfahrenden Zügen ein gewisses Urlaubs-Feeling. Entspanntes Reisen fühlt sich anders an.
Angekommen in Lichterfelde Ost sind wir um 18.28 Uhr. Einen Zugbegleiter in diesem Regionalexpress innerhalb der zwölfminütigen Fahrt zu finden oder gar einen Schalter auf dem Bahngelände Lichterfelde Ost, um uns unsere Fahrtzeiten bestätigen zu lassen, war leider unmöglich; Sie müssen mir also Ihr Vertrauen in meine zuletzt gemachten, ungestempelten Angaben schenken. Wie ich Ihnen übrigens auch - spätestens bei meiner nächsten Reise mit der Bahn.
Für den Service der Deutschen Bahn während der Umleitung - ein großzügig kostenloses Getränk für jeden Bahnreisenden in diesem Zug - danken wir. Auch dafür, dass einer Ihrer zugbegleitenden Mitarbeiter uns noch während der Fahrt den Fahrtkosten-Erstattungs-Antrag aushändigte und sowohl diesen als auch die bereitgehaltenen Tickets abstempelte. Zu irgendwelchen weiteren Auskünften war er allerdings nicht bereit. (Eine Auskunft zur rechten Zeit wäre hilfreich gewesen: unsere Zugverbindung nach LO wurde nämlich nicht per Lautsprecher-Ansage mitgeteilt.) Er war nicht unfreundlich, aber doch bestimmt, denn schließlich musste er in der letzten Stunde der Fahrt allein den ganzen Zug bedienen.

Übrigens: Trotz Bahncard bezahlten wir für das Ticket 155 Euro. 

Mit freundlichen Grüßen
eine gelegentlich Fernreisende

P.S. ein kleiner Tip zum Schluss: Halten Sie für ähnliche Fälle am besten von allen Getränken genügend Vorrat. Es ist schon ärgerlich genug, wenn der Zug Verspätung hat.

Kommentare:

  1. Hammer!!!!!
    Würde sehr gerne wissen, ob Du ein Antwortschreiben erhälst.

    Gela

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  2. Und da macht die Bahn noch Werbung mit "Urlaub von Anfang an" oder so ähnlich. In der freien Wirtschaft wäre ein Unternehmen wie die Bahn schon längst Pleite, so viele Pannen wie die haben, unzählige Verspätungen, kaputte Heizung im Winter, kaputte Klimaanlage im Sommer. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du doch noch zu Deinem Recht kommst.
    LG, Britta

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  3. Liebe Friederike,
    ach, da fühle ich mich ein paar Monate - in den April - versetzt, als wir einen kleinen Familienurlaub in Hamburg machen wollten. Getreu dem Motto 'Die Bahn - Urlaub von Anfang an' buchten wir für vier Personen ein Bahnticket... Nun ja - der Urlaub kam dann erst in Hamburg - bis dahin mussten wir die Fahrt (zumindest von Karlsruhe bis Kassel) auf dem Boden direkt neben der Türe verbringen. Unser eigentlicher Zug wartete leider nicht auf uns und unsere gebuchten Sitzplätze fuhren leer nach Hamburg. Einen kleinen Ausgleich bekamen wir... doch die Nerven, die man dabei gelassen hat, die gleicht die Bahn wohl nicht aus...

    Ich drücke dir alle Daumen, dass auch du zu deinem Recht kommst!!!

    Ganz liebe Grüße
    Karin

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  4. Hallo,

    na das macht mir ja schon wieder Hoffnung. Wir fahren am 12. in Richtung Holland. Wenn ich da an das letzte Jahr denke... Bei - 15 Grad standen wir erst in Berlin Hbf eine Stunde auf dem Bahnsteig ohne zu wissen was los ist ( der Zug wird in Berlin eingesetzt). Dann wurden wir in Hannover Rausgeschmissen mit dem Hinweis, wir sollen auf den Folgezug warten. Wann der kommt, konnte keiner sagen. So haben wir nochmal 1,5 Stunden bei -15 Grad in Hannover auf dem Bahnsteig gestanden. Die Rückfahrt zeigte sich ähnlich.
    Liebe Bahn... Urlaub sieht anders aus.

    Übrigens... trotz Stempel usw haben wir bis heute keine Erstattung bekommen. Begründung: Für das Wetter kann die Bahn nichts..

    Viele Grüße
    Stine*

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  5. Daniela6.12.11

    Oh ja ich habe schon lange gar nicht mehr versucht von denen etwas wiederzubekommen - ich fahre mit der Regionalbahn - einmal wöchentlich pendele ich zwischen meinem kleinen Örtchen in Brandenburg und Berlin . Einmal (Es gab 2 Std. Verspätung und ich verpasste dadurch einen von 2 Zügen täglich, der bei mir im Ort hält) habe ich dann einen Fahrpreisrabatt gefordert - der Antwortbrief bat dann um Entschuldigung aber es werdeerst ab einem Fahrpreis ab 50 Eur etwas zurückgezahlt.. grmbl.. naja das dazu

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  6. Hallo Friederike,

    das ist ja der Hammer. Sachen gibt es!

    Hast Du eine Antwort von der Bahn bekommen?

    Lieber Gruß, Muriel

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  7. Anonym20.12.11

    Das machen sie immer - bei der Bahn!
    Die kommen immer auf EINE STUNDE!

    Mehr geht einfach nicht! Alle Wege und Rechenwege kommen auf EINE STUNDE!

    Das ist schon deren Masche! Und Dinge, die es nicht gibt, gibt's einfach nicht!

    Wenn eine eine Reise tut - kann sie was erleben!

    Ich grüße Dich

    Luitgard

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