Freitag, 12. August 2011

über den Wolken ...

lieber Wettergott,
wie geht es dir da oben über den Wolken? Ich nehme an, du hast einen herrlichen Sommer, durchgehend Sonnenschein und bist urlaubsgebräunt. Was uns hier unten betrifft so frage ich mich, warum du dir den Blick auf die Erde beständig bewölkst und nur gelegentlich durch einige Lücken zu uns hindurchblinzelst. Magst uns nicht mehr sehen? Oder nur noch gelegentlich? Hast du keine Lust mehr auf deinen Job? Urlaub? Midlifecrisis? Oder gehörst du ganz einfach zu den Egomanen und willst nicht mit uns teilen? Der Himmel ist so weit und blau, der reicht doch für uns alle!
Komm mich gerne mal besuchen, du bist herzlich eingeladen. Ich zeige dir unseren Sommer: Den Sommer von ganz unten. Gerade mal bis hinter Nachbars Haus reichte heute morgen der Blick, der Rest war wolkenverhangen oder war es schon der Anbeginn des Herbstes mit ersten Nebelfeldern? Aber wahrscheinlich willst du das gar nicht sehen. Sitzt auf deiner Schönwetterwolke, drehst Däumchen und lässt dir die Sonne auf den Bauch scheinen.
Und stellst mich dabei vor fast unlösbare Probleme: ich sollte dringend im Garten Unkraut hacken, reiße aber nur die nasse Erde aus. Auch würde ich gerne die letzten Salatsetzlinge setzen, Feldsalat säen - der Stichtag 15.8. rückt immer näher - und später Wintergemüse ernten, aber der Regen ist ein Freund der Schnecken und was die nicht schaffen fault durch die Nässe. Die Tomaten frieren trotz Tomatenhaus, die Auberginen ducken sich vor Kälte und auch die Gurken bräuchten mehr Wärme. Sie machen deinen Wolken Konkurrenz, nein, keine Sorge: die Farbe kommt vom Mehltau.  Und dann die Wiese, herrjehmineh, schau sie dir an: gemäht schon seit Wochen nicht mehr: der Boden zu nass!
Vielleicht hast du dieses Wetter ja auch geschickt damit ich mich voll legitimiert an die Nähmaschine setzen kann statt im Garten zu graben. Dafür sollte ich dir danken. Für die wenigen Tage scheinbar anhaltender Wärme entschloss ich mich ein Kleid zu nähen, das blieb aber - dank baldiger Abkühlung - liegen, dafür begann ich mit einem warmen Jäckchen für das Kleid, damit ich selbiges auch würde tragen können. Klar, sonst friere ich im Sommer.
Was denkst du, wie es weitergeht: kann ich mir noch ein sommerliches Kleid nähen (in Klammer: lohnt sich das überhaupt noch?) oder sollte ich mich lieber schon auf Herbst einstellen? Ist der Sommer gelaufen?
Hör mal, ich mach dir einen fairen Vorschlag: dreh statt der Däumchen an den entsprechenden Stellschrauben und schick uns etwas Sommer. Dann nähe ich mir noch ein Kleid. Das rote mit den weißen Blümchenpunkten. Und du darfst es als erster sehen.

Kommentare:

  1. Ich habe gerade sehr geschmunzelt, du hast so wunderbare Worte gefunden, vielleicht hilft's ja?! Wir würden uns alle sehr freuen und so ein rotes Kleid könnte Frau auch auf Vorrat nähen - oder?
    LG Stephanie

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  2. Friederike, du sprichst mir soooo aus der Seele... Ich nähe mir heute einen Fleecepulli, gebrauchen kann ich den sicher bald! Und mein Feldsalat will auch gesät werden, doch meine Zwiebeln, die im Moment den Platz für den Feldsalat noch einnehmen, sind noch gar nicht abgegangen... Sie müssen aber heute dennoch raus.

    In der Hoffnung, dass der Sommer doch nochmals kommt und wir dein Kleid noch sehen, schicke ich dir viele liebe Grüße
    Karin

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  3. Was für tolle Worte für so viel nicht sommerliches Wetter! Vielleicht helfen die Worte ja und wenn nicht, bleiben diese Worte in meinem Kopf und bringen mich zum schmunzeln. Lieben Dank dafür :-)
    Bine

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  4. *smile*
    Na dann hoffen wir mal, dass der Wettergott aus Urlaubslektüre steht und Deinen Brief auch liest!
    Liebe Grüße, Fredda

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  5. ...ich hab gerade Tränen gelacht, du triffst es sowas von voll auf den Punkt...selten so ein schönes "Wortspiel" gelesen, danke dafür!
    Beate

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  6. Wunderbar! Vielleicht sollten wir eine Unterschriften-Aktion starten und eine lange Liste nach oben beamen :-))
    Ich wünsch' dir ein schönes Wochenende und hoffe mit den anderen, dass wir dein Kleid auch noch zu sehen bekommen.
    Rosi

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  7. Musste so schmunzeln!;) Da hoff ich sehr, Petrus oder wer da am längeren Wetterhebel sitzt, erbarmt sich unser!
    Ganz liebi Grüessli, Rita

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  8. Na, wenn diese Ansprache an Petrus nichts nützt, dann weiss ich auch nicht weiter!
    Hoffen wir, dass er nach Deinen schönen Worten doch noch ein Einsehen mit uns armen Lichtern hier unten hat ;-)!
    Danke für`s Schmunzeln am heutigen Tag!
    Liebe Grüsse von Sabine

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  9. Liebe Friederike,

    wie treffend und perfekt formuliert. Du sprichst mir aus der Seele.
    Und ein Lächeln hast Du auch auf mein Gesicht gezaubert. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Gabi

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  10. Wunderbar, es hat geholfen. Man muss nur die richtigen Worte finden...

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