Donnerstag, 5. März 2015

Gewachsen!



Der kleine Mann wächst, krabbelt, schaukelt, schreit, tobt und krakeelt, ist ein liebes anhängliches Kind, verschmitzt und voller Charme, hält Eltern und Großeltern auf Trab, die gar nicht mehr wissen, wie mühsam es bis vor neun Monaten war, einen ganzen Tag zu füllen. Wie war die Zeit vertan ganz ohne dieses Kind!
Er isst Brei und trinkt aus dem Glas. Er wirft mit Bällen und robbt hinter ihnen her. Er streichelt liebevoll unseren Hund und zieht ihn an den Haaren. Baubechertürme oder solche aus Holzklötzchen werden gnadenlos umgeworfen, keine Schublade ist vor seiner Neugier sicher.  Er gluckst vor Lachen und kann brüllen wie ein Löwe.
Neuestes Lieblingsspielzeug ist zur Zeit der Küchenschrank: Tür auf, Tür zu, zur Abwechslung wird auch noch hinein gekrabbelt.
Genäht habe ich ihm in der letzten Woche außer dem grauen Pulli noch zwei weitere, dazu einen Body und eine Hose, allesamt bereits in Größe 80. Und damit wird es in der nächsten Zeit auch weitergehen, noch mehr Bodies, noch einige Hosen. Danach das spannende Thema Unterhosen - ein windelfreies Kind braucht schließlich richtiges Untendrunter. Ich bin bis auf weiteres beschäftigt.

Montag, 23. Februar 2015

was macht eigentlich... der Zwilling?

Wenn ich schon beim Thema Decke bin, hier die neuesten Nachrichten vom Zwilling:



Der "Zwilling", wie ich die zweite Sockenwollreste--Farbverlaufsdecke nenne, ist schon lange fertig. Ich habe etwa zwei Monate mit Sockenstrick-Unterbrechung an dieser Decke gehäkelt und  sie wurde größer als meine eigene, in der Breite etwa 130 cm und in der Länge 175 cm, wobei sie sich sicher noch durch ihr Gewicht etwas dehnen wird.
Schwieriger als sie zu häkeln war, sie unter Verschluss zu halten. Zu gerne hätte ich sie gleich verschenkt, aber sie sollte ja ein Weihnachtsgeschenk werden und deshalb verschlief sie brav den vergangenen Sommer zusammen mit den unverhäkelten Resteresten in einer großen Kiste auf dem Speicher, wohl verwahrt vor den Augen der nachbarschaftlichen Verwandtschaft.



Zu Weihnachten konnte ich sie dann schließlich verschenken. Das war eine Freude! Sogleich wurde sie eingeweiht: zeitweise als Sofadecke und als Krabbeldecke für den kleinen Mann.
Nackenrolle kann sie auch:


Doppelt und dreifach gefaltet hält sie den kleinen Mann im Kinderwagen warm. Und natürlich wird sie eifrig bewundert.


So war ich kürzlich mit kleinem Mann im Kinderwagen in unserem Post-Lädele. Hinter mir stand eine jung Mama mit Baby im Tragetuch. Sie sah die Decke und fragte gleich nach: wie gehäkelt, welche Wolle, wie lange man dazu wohl brauche.
Sie habe, so erzählte sie mir, auch eine schöne Decke für ihr Kind. Von der Oma gemacht. Nun, sagte ich, diese hier sei auch von der Oma gemacht, also von mir.
Am nächsten Tag beim Einkauf in unserem Schwarzwaldstädtchen höre ich plötzlich eine Stimme hinter mir: "Heute nacht habe ich von Ihrer Decke geträumt."
Wenn das kein Kompliment ist? 

Mittwoch, 18. Februar 2015

meine ziemlich große Sofadecke


Es ist schon eine Weile her, dass ich diese Sofadecke genäht habe und sie sieht auch fast noch wie neu aus. Das kommt vom vielen Schonen und wenig Benutzen.

 
Da ich in Patchwork nicht so firm bin, besuchte ich eigens einen Patchworkkurs dafür. Und ließ mich einweisen in die Geheimnisse des Stoffeauseinanderschneidens und wieder -zusammennähens.



Die einzelnen Felder sind ganz unterschiedlich gestaltet sowohl was die Breite als auch die Musterwahl betrifft.



Beim Quilten tat ich mich zum Schluss ein bisschen schwer. Die Decke von Hand zusammen zu nähen erschien mir zu langwierig, um sie aber mit vielen unterschiedlichen aber letztlich doch gleichmäßigen Kurven unter der Maschine zu bewegen, ist sie fast schon zu groß. Die schiere Masse Stoff passt kaum hindurch. So entschied ich mich, sie in geraden Bahnen abzunähen. Immer schön im Nahtschatten bleiben, das ging ganz gut.


Nun liegt sie winterweise auf dem Sofa, im Sommer darf sie mit in den Garten oder auf die Veranda, wo sie an kühlen Abend ihren Dienst versieht.



Sie versteht sich auch gut als Nackenrolle und selbstverstsändlich neuerdings als Krabbeldecke für den kleinen Mann. 


Mit der Farbwahl des Fotoapparates bin ich heute nicht sehr glücklich. Von daher ein Versuch an der frischen Luft - die Decke wie eine Tischdecke ausgebreitet fängt leider auch nicht ganz den warmen Farbton ein, den sie eigentlich hat:


Die Tochter beobachtete sehr genau mein Treiben um dann zu beschließen: so was will sie auch! Genau so - nur anders!
Und daran arbeiten wir gerade.

Dienstag, 10. Februar 2015

unterm Mistelzweig


So hoch da oben hing der Mistelzweig, den ich auf einem der letzten ausgiebigen Wochenendspaziergängen  fand, bestimmt auch einmal in seinem Leben. Langsam nur ist er gewachsen, eine Verzweigung pro Jahr.



Der Sturm der letzten Tage hatte ihn wohl abgebrochen und ich fand ihn zu schön (und zu schade) um ihn liegen zu lassen. Also nahm ich ihn mit. Immer eine der kalten Hände in der Jackentasche steckend und gleichzeitig vorsichtig auf den Randbewuchs an schmalen Pfaden achtend, immer wieder Hindernissen ausweichend, balancierte ich ihn heil nach Hause.


Die kleinen Ästchen sind sehr brüchig und natürlich lagen nach dem Transport einige davon im Auto. Aber macht nix, diese kleinen Blättchen und Zweigchen durften vorübergehend zur Tischdekoration mit ins Wohnzimmer und weil ich sowieso grad im Häkelfieber bin, bekamen sie noch Zuwachs aus Wolle.


In zwei Farben habe ich gehäkelt, die dunkleren für jetzt gleich als Schmuck auf meinem Windlicht, die hellen für ein anderes Häkelprojekt,
Windlicht einmal von vorne:



und Windlicht einmal von hinten:


Wenige Tage nach dem Fund des großen Mistelzweiges fand ich einen weiteren, recht kleinen, noch an seinem Wirtszweig hängend:



Der kleine Zweig ist zu putzig, er schmückt nun zusammen mit einer frisch gehäkelten  Schneeflockenkette unsere Eingangstüre:


 


Donnerstag, 5. Februar 2015

"Waldmeisterchen"


Mitten in meine Weihnachtskleid-Aktion platzte der Wunsch nach einem winterwarmen Overall für den kleinen Mann. Ein Teil, das wie Jacke oder Mantel schnell-schnell über die Kleidung angezogen werden kann, dickmoppelig warm hält und das möglichst ohne groß Gefummele auch noch an Händen und an Füßen.



Nun, nichts leichter als das. Wir überlegten an einem  Overall aus Walk oder Fleece. Und entschieden uns nach Augenschein und Befühlen verschiedener Stoffe für Baumwollfleece, der durch eine erste Wäsche um zehn Prozent einlief und dadurch noch einmal an Dichtigkeit gewann.
Die Idee mit den umgestülpten Hand- und Beinabschlüssen stammt nicht von uns. Die Tochter sah dies an einem gekauften Babyoverall, eine Freundin ist im Besitz eines solchen und wir durften das Kaufteil soweit nötig vermaßen.


Auf diesem Bild sieht man sowohl die dieses mal gelungene Knopfleiste mit den schönen Holzknöpfchen als auch den angenschnittenen Umschlag an den Ärmeln. Das Bild zeigt die Rückseite des Ärmels, von vorne sieht er ganz gewöhnlich aus.


Wird der Umschlag nun umgeklappt verschließt sich das Ärmelchen - auf dem Bild links im Unterschied zum noch offenen Ärmel - und das Kind ist gut verpackt, die Händchen bleiben im Warmen.


Das gleiche habe ich mit den Hosenbeinen gemacht (auch hier auf dem Bild: einmal offen "normal", die andere Seite verschlossen) und zeige hier die bereits bereinigte - weil verlängerte - Version. Sowohl Arme als auch Beinchen sind auf reichlich Zuwachs geschnitten, bei den Umstülpungen hatte ich selbstverständlich einiges mehr zugegeben als an der Vorlage abgemessen. Und doch: es dauerte nicht lange und unser fleißiger Schuhabwerfer streifte sich auch diese Vorrichtung vom Fuß und schälte sich langsam ins Freie. So war das nicht geplant!
Der schon großzügig mit 9 cm bemessenen Umschlag musste nochmals verlängert werden. Nun sind wir bei 15 cm, was es selbst diesem Rekordhalter im Schuhabwerfen schwer fallen lässt, einen Ausang ins Freie zu finden.

Wer hat's bemerkt? Wir lieben GRÜN!

Freitag, 30. Januar 2015

Weihnachten im Januar?


Sozusagen auf den letzten Drücker sind meine Socken auch fertig geworden. War ein bisschen ein Hindernislauf - erst nur Lust auf Häkelmaschen, dann Verdruss wegen Farbverlauf am Bündchen und dann auch noch ein Knötchen in der Wolle, also nochmal abwickeln und anpassen. Aber jetzt ist gut und endlich sind die versprochenen Weihnachtssocken fertig - die ersten im Januar, die ersten überhaupt im neuen Jahr.
Gestrickt habe ich wieder das Muster "Säulengang" aus meinen Urlaubserinnerungen.
Zunächst befürchtete ich, das Muster käme nicht gut genug zur Geltung - sprich: Farbverlauf frisst Mustersatz - doch getragen sieht es ganz passabel aus.


Fast bei jedem Ringel- oder Streifenmuster vergesse ich, gleich zu Beginn den Farbverlauf zu kontrollieren und die erste Färbung auf gleiche Länge zu schneiden, so auch hier. Mit ein bisschen Geduld ist es mir gelungen, dass beide Socken nun doch völlig identisch aussehen. 



Was nicht so toll war: Zum Schluss des ersten Knäuels gab es einen Knoten und damit ein verkürztes Stück Dunkellila. Mutwillig habe ich also beim zweiten Socken an genau dieser Stelle die Wolle abgeschnitten, entsprechende Mengen abgewickelt und das richtige Ende weiter verarbeitet.
Nun sind die Socken aber so schön geworden, dass es sich damit genüsslich die Füße hoch legen lässt.

Montag, 26. Januar 2015

#ichbinsoalt

Um facebook, twitter, whatsapp und ihren artverwandten Mitteilungsdiensten habe ich bisher einen Bogen gemacht. Noch vermisse ich sie nicht. Ich kann bloggen, den Laptop und mein Händi bedienen, lese ebooks - was ich schon als Konzession an die modernen Zeiten betrachte (und als Erleichterung meines Bücherregals) - das reicht mir momentan noch. Sitze ich im Zug oder als Beifahrerin im Auto, so habe ich Strick- oder Häkelnadeln zu meiner Unterhaltung in der Hand. Mit meinem von uns so genannten "Buschhändi" kann ich auch gar nicht viel mehr anfangen, als zu telefonieren. Und irgendwann hat man ja auch allen alles gesagt.
Trotz gewisser Vorbehalte und einer gehörigen Portion Ignoranz meinerseits, einem Nichtbenötigenwollen dieser modernen Zivilisationsunterhaltungsspielzeugen las ich - und verfolgte anschließend via Internet - in der Badischen Zeitung über den hashtag voller Erinnerungen #ichbinsoalt. 
Die Idee des Erzählens von ichbinsoalt wollte ich unmittelbar nach der Lektüre in meinem blog aufgreifen um mangels twittertauglicher Hardware hier meine Erinnerungen aufzuschreiben. Das war im Oktober. Der Plan musste aber gut reifen, denn worüber wollte ich schreiben? Ich überlegte und verschob. Fast zeitgleich hatte die Tochter unterdessen mit meiner Unterstützung begonnen, Geschichten aus dem Leben ihrer Großeltern aufzuschreiben, Geschichten der Alltäglichkeit, besondere Erlebnisse, Erinnerungen an Krieg und Nachkriegszeiten - wann, wenn nicht jetzt? Eine zufällige Überschneidung. Aber auch die Einsicht, dass mit derm Sterben der Großmütter-Generation auch deren Lebensgeschichte unwiederbringlich verschwunden sein würde.
Gedanklich setze ich mich also schon länger mit einem post zu "ichbinsoalt" auseinander und seit Mitte Dezember weiß ich, welcher Tag der richtige sein würde. Nun endlich schreibe ich. Wann, wenn nicht heute?
Bei uns beginnen mitttlerweile Erinnerungssätze vermehrt mit "ichbinsoalt" - einem magischen Satzanfang, der sogleich großes Interesse oder ein Schmunzeln hervorlockt. Also:
ichbinsoalt

- ich fuhr Fahrrad noch ohne Gangschaltung und Mofa ohne Führerschein und Sturzhelm
- im Auto gab es keine Sicherheitsgurte
- ich lernte das Nähen auf einer Nähmaschine zum Treten
- ich wurde noch mit einer Milchkanne zum Einkaufen von zwei oder drei Litern Milch in den "Tante-Emma-Laden" geschickt
- unser Auto, das nach einer kalten Winternacht nicht anspringen wollte, wurde von meinem Vater mit einer Kurbel vorne durch den Kühlergrill wie in alten Kinofilmen mit schwungvollem Drehen in Gang gesetzt
- ich bekam noch Rollschuhe zum Geburtstag, keine Inlineskater. Rollschuhe waren eine Art "Überziehschuhe" mit in der Länge verstellbaren Schienen, vorne einer Schutzkappe und vier Rädchen drunter
- es gab Telefone mit Wählscheiben
- ein Nachbar kaufte einen Kabinenroller und ich durfte im Gogomobil meines Großvaters mitfahren
- nicht jeder Haushalt besaß ein eigenes Telefon. In meiner Kindheit gab es in meiner Straße vielleicht drei Telefonbesitzer. Wichtige Anrufe empfing man im Flur des Nachbarn, der dann über das Neueste der Familie gleich schon mitinformiert war
 - wir spielten auf der Straße mit den Nachbarkindern, klingelten einfach an der Haustüre und brauchten keinen Terminkalender
- meine Mutter und die anderen jungen Mütter in unserer Straße redeten sich mit "Sie" an
- ich schrieb seitenlange Briefe
- vor den gelben Telefonhäuschen mit Geldeinwurf und zerfledderten Telefonbüchern wartete eine Schlange mehr oder weniger geduldiger Menschen vor dem Türchen - und hörten das meiste Gesagte mit
- unser erster Fernseher hatte ein schwarz-weiß-Bild und irgendwann spätabends war das Programm zu Ende, dann ging die Nation ins Bett
- es gab noch keinen Tintenkiller
- ich kenne noch Spiele wie Räuber und Gendarme, Himmel und Hölle, Halli-Hallo, Gummitwist oder Verband
- ich ging mit anderen Kindern - aber ohne Eltern - im Sommer ins Schwimmbad oder an den Baggersee
- ich hörte dienstagabends im Bett das Kriminalhörspiel und mittwochabends das Wunschkonzert
- mein Vater mahlte Kaffee von Hand mit einer "Räuber Hotzenplotz"-Kaffeemühle
- im Winter waren die Fenster unserer Wohnung mit Eisblumen beschlagen
- Samstag war Badetag, dafür wurde eigens ein großer Wasserboiler mit Holz angeheizt, auch im Sommer
 - im Winter gab es keine frischen Eier, deshalb wurden sie im Herbst für den Backvorrat in einem Tontopf mit speziellem Einlegemittel konserviert
- ich habe Musik aus dem Radio auf Tonband aufgenommen
- meine Eltern lösten eine Bahnsteigkarte, wenn wir den Onkel vom Zug abholten und vor dem Bahnsteig war eine Schranke mit einem Kontrolleur, der die Karte mit einer speziellen Zange lochte
- meine Mutter kochte Windeln in einem Topf auf dem Herd aus und bügelte sie, um sie zu sterilisieren
- unsere Stadt hatte eine vierstellige Postleitzahl und die Briefe kamen mindestens genauso schnell an
- ich fuhr noch Zug mit Dampfloks und später mit dem Schienenbus
- bei meiner Nachbarin sah ich im Fernseher Kennedys Beerdigung und später die Mondlandung
- wenn wir Kinder einer Nonne begegneten, so sagten wir: Gelobt sei Jesus Christus und sie antwortete: In Ewigkeit Amen, später sagten wir nur noch "Grüß Gott"
- Mädchen gaben bei der Begrüßung Erwachsener die Hand und machten einen Knicks, Buben einen "Diener"

Ich bin so alt, dass ich das und noch viel mehr erlebt habe. Lustiges, witziges, längst vergangenes, verrücktes, heiteres, irritierendes, beängstigendes, lachhaftes, übles, schönes, liebevolles - mein Leben, eben.

Mein zehnjähriger Neffe erzählte mir vor Jahren aus seinem Leben: "ich war schon eins, dann war ich zwei, dann drei, dann war ich vier, jetzt bin ich fünf, und bald bin ich sechs!" Er zählte dabei wie zum Beweis seine Fingerchen ab. Diese Reihe ließe sich für mich noch ein Weilchen fortsetzen. Aber der Blickwinkel gefällt mir gut. In diesem Sinne: ich bin so alt, dass ich schon ganz viele Jahre war.

zu guter Letzt:

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